Darum.

Ich schaue in den sternenschwarzen Himmel und sehne mich nach mehr. Mit dem Nachtwind ein Hauch des Möglichen, vibrierendes Leben statt Leere. Jahrmillionen statt ein Jahrhundert. Nebenan schreit ein Kind. Wir werden geboren, blinzeln, heben den Kopf und noch bevor uns klar wird, was wir da gesehen haben, ist es vorbei. Manchmal Spuren einer Ahnung von dem, was hätte sein können. Es hat wieder nicht gereicht.

Kollektiver Wahnsinn. Sollen in 200 Jahren noch immer Menschen gegen ihren Willen sterben? 10,000 Generationen haben wir für immer verloren. Hunderttausend Millionen mal der Geschmack von Leben, Augenblicke lang Licht, dann nichts. Hunderttausend Millionen mal: Ich liebe dich. Der Abgrund in Sichtweite, stetig näher kommend. “Für immer” sind 50 Jahre.

Verdammt, tut endlich was.

Eure Apathie macht mir Angst. Im 16. Jahrhundert geboren zu werden und zu realisieren, dass keine Hoffnung auf mehr besteht, keine Hoffnung darauf, die Daseinsgrenzen zu verschieben, wäre Grund zur Verzweiflung. Wir leben im 21. Jahrhundert. Morgendämmerung berührt den Horizont der Menschheitsgeschichte und ihr haltet euch die Augen zu und begeht Selbstmord.

Hier stehen wir, mit unseren Eitelkeiten und Dummheiten, mit unserer Sehnsucht und Liebe, und wir ahnen. Frühstücken, ein paar Dinge erledigen, schnell, Schlagzeilen, Schlaf, weiter. Hauptsache weiter. Die, die noch nicht betäubt sind, ahnen manchmal, dass es so viel anders sein könnte. Dass die Momente der Klarheit, des Wunsches nach Ewigkeit, nicht Minuten später Vergangenheit sein müssten.

Aber auch das wird vorbei gehen, wenn wir es nur fest genug ignorieren.

7 Kommentare

  1. Meine Daseinsform entspricht nicht dem, wie sie wahrgenommen wird.
    Das Eigentliche verberge ich tief im Inneren. Keiner wird es je mit mir teilen können. Von Selbsterkenntnis keine rede. Der Mensch nur übergang zum verzweifelten sein. Mach nur so weiter und du wirst am eigentlichen Leben vorbeiexistieren. Ein Stern trägt schon deinen Namen, weilcher im Augenblick zur Supernova wird.
    Mann Andreas. Irgendjemand zuhause.

    Trotzdem ganz nette Seite von Dir die du zeigst.

    Wir hatten übrigens schon mal das Vergnügen.
    Recall

    Set

    Jörg

  2. Selbsterkenntnis kommt nie ohne Blick auf den Kontext aus. Es steht natürlich jedem frei, den auf einen Radius von 5 Metern und Minuten um das hier und jetzt zu beschränken und das dann das “eigentliche” Leben zu nennen. Würde ich es nicht mögen, das Menschsein, und würde ich nicht wissen, wie es ist, das Wesentliche zu teilen, wäre mir der ganze Kram doch egal.

  3. Auch wenn du es nicht wahr haben willst wirst du eines Tages sterben, genau so wie die anderen Hundert Tausend Millionen Seelen von denen du schreibst vor dir. Wenn das wonach du dich in deinen Texten hier so sehr sehnst tatsächlich in deiner Lebenszeit Wirklichkeit werden sollte wird es aller Wahrscheinlichkeit und den Gesetzen der Physik nach eine ziemlich grosse Enttäuschung für dich werden:
    Selbst wenn eines Tages dein ganzer Verstand in seiner Vollständigkeit erfasst und in ein Computersystem oder Ähnliches hochgeladen werden könnte, so wirst nicht du es sein der eingefercht auf eine 3,5” Magnetscheibe sein wundertolles Leben in “Ewigkeit” fröhnt. Nein, es wird lediglich eine Kopie, eine Simulation, deines wirklichen Geistes sein, der einzig und allein nur von den unglaublich vielen Neuronen in deinem Gehirn gebildet wird. Deinem wahren Geist, der der eingefercht ist in einer Gehirnschale in deinem Kopf, der jetzt gerade hoffentlich diese Worte auf einem Bildschirm liest und sie verarbeitet, wird es absolut nichts bringen das eine Kopie, so perfekt sie auch sein möge, des selben Geistes weiter existieren wird. Gemäß den Gesetzen der Thermodynamik müssen deine Zillionen von Gehirnzellen, die dich als Mensch ausmachen, irgendwann ihren Dienst versagen, verfallen oder anders gesagt einfach “sterben”.

    Natürlich kann man über diese schmerzliche Erkenntnis hinweg täuschen, indem man einfach direkt bei Erstellung der Kopie das Original direkt vernichtet. Anders ausgedrückt man tötet einfach die Vorlagen der für die Ewigkeit präparierten kopierten Geister. Wenn dies wirklich dein erklärtes Lebensziel für Hundertausend Millionen von Menschen sein sollte, so könntest du in der Tat einen ausserordentlich signifikanten Eintrag in die Geschichtsbücher für die nächsten 200 Millionen Jahre schaffen: Du wärst dann derjenige der die Menschheit vernichtet hat.

    Nicht die Apathie der Menschen, die die natürliche Ordnung der Dinge akzeptieren gelernt haben, sondern du und alle die deine Ziele teilen sind es die mir wirklich Angst machen.

  4. Mit etwas Mühe gibt es kaum Grenzen dessen, was man in einen Text hineininterpretieren kann. Um im gleichen Kommentar eines der zentralen Probleme der Geistesphilosophie zu lösen, braucht es dagegen Talent.

    Als ich klein war, habe ich übrigens auch immer versucht, meine Mutter von der natürlichen Ordnung der Dinge in meinem Zimmer zu überzeugen. Hat nie funktioniert.

  5. Hast du Angst vorm Tod? Hast du dir mal vorgestellt, wie es wäre nicht zu sterben und ewig zu existieren? Gegen deinen Willen geht es immer weiter, immer weiter und danach immer noch weiter. Vielleicht kannst du es dir jetzt nicht vorstellen, aber vielleicht hast du irgendwann keine Lust mehr zu leben, weil du alles erlebt hast, alle Grenzen überschritten hast und endlich abgeschlossen hast, abgeschlossen mit dem, was sich Leben nennt und dann bist du bereit für das, was danach kommt. Du betrachtest es als nichts und es ist schon angsteinflößend plötzlich nicht mehr zu sein. Aber ich betrachte es eher als ein Verschmelzen mit allen. Eine Rückkehr dorthin, woher wir auch kamen. Ein Kreis, der sich schließt. Seine Persönlichkeit aufzugeben und sich zu vereinen mit dem großen Ganzen, dass man nicht in Worte fassen kann, weil es zu komplex und gleichzeitig zu einfach ist, um es zu begreifen mit unserem doch sehr eingeschränkten menschlichen Fassungsvermögen. Der schwierigste Schritt ist wahrscheinlich seine Persönlichkeit aufzugeben. Denn dann bist DU nicht mehr Du. Du bist gar nicht mehr. Alles ist eins. Keine Disparitäten. Nur Vollkommenheit. Ich finde es unheimlich beruhigend, zu wissen, dass ich sterbe. Es macht alles so einzigartig und wertvoll. Wenn du ewig leben würdest, würdest du viele Dinge nicht tun, weil du denkst du könntest sie später noch tun. Aber so weißt du, dass du nur eine begrenzte Zeit hast und es macht jeden Moment zu etwas wertvollen. Jetzt während ich hier sitze und schreibe, genieße ich. Einzigartig, dieser Moment. Es wird nie wieder so sein. Jetzt, während du liest, einzigartig. Deine Zeit, die du hast, deine Chance, glücklich zu sein. Wenn man so sein Leben lang glückliche Momente hat und es einfach genießt und die Dinge tut, die man im Moment auch wirklich tun will, dann blickt man im Alter von 80 Jahren auf ein erfülltes Leben zurück und irgendwann kommt der Tag, an dem man nicht mehr weiter will, weil es schön war und weil man weiß, dass man alles getan hat, was man je tun wollte. Und dann ist man bereit weiterzugehen. Weiter in das Unendliche, was wir nicht verstanden haben und auch nie verstehen werden und es ist gut so. Was immer du auch tust, nichts währt ewig. Selbst der Wunsch, nach seinem Tod, der Menschheit etwas zu hinterlassen, sodass sie einen nicht vergessen, ist lächerlich. Denn auch sie wird irgendwann untergehen. Der ganze Planet wird untergehen. Vielleicht entsteht durch Zufall auf einen anderen Planeten Leben. Vielleicht auch nicht. Und dann bleibt nur noch Materie in einer von Licht durchfluteter Dunkelheit. Niemand wird wissen, dass es uns je gab, dass wir je gedacht und gefühlt haben. Alles wird unverletzt und rein sein.
    Eins sein.

  6. Wenn ich alles erlebt habe, was ich erleben will, wenn ich den Weg der Menschheit in die Zukunft so weit gesehen habe, wie ich ihn gerne sehen würde, wenn ich an alle Grenzen gestoßen bin, die es wert sind, dann kann ich mich immer noch umbringen. Nur sollte das *meine* Entscheidung sein. Der sich nach 50-60 Jahren bemerkbar machende körperliche Verfall nimmt keine Rücksicht darauf, ob ich alles getan habe, was ich tun wollte.

    Mir ist klar, dass jeder für sich entscheiden muss, wie viel Zeit er gerne auf dieser Welt verbringen würde (manchen Menschen sind 80 Jahre zu viel), und vielleicht denke ich in 60 Jahren anders, aber so weit ich mich erinnere, konnte ich noch nie Lebenserwartungsstatistiken lesen und dabei nicht ein trauriges “So kurz?” im Hinterkopf haben. Ich will nicht erzwungene Ewigkeit, ich will nur weiterhin jeden Tag die Wahl zwischen Leben und Tod, auf unbestimmte Zeit.

    Man muss keine Angst vor dem Tod haben, um nicht sterben zu wollen. Es genügt, das Leben zu lieben.

  7. Ich finde die Vorstellung, dass jeder Mensch solange leben kann, wie er will, schrecklich. Es ist so unnatürlich. Und ehrlich gesagt bin ich sehr froh, dass es bisher noch nichts gibt, was ein Menschenleben auf unbestimmte Zeit verlängern könnte. Ich glaube auch nicht, dass man umso mehr im Leben erreicht um so länger es ist. Zeit ist relativ. Manchmal passiert viel in kurzer Zeit und manchmal verfliegen Jahre ohne das sich irgendwas geändert hat.
    Wenn du wüsstest, du könntest solange leben, wie du willst, würdest du nicht ganz anders leben? Ganz andere Dinge tun, als du jetzt tust? Würdest du die Zeit dann noch so nutzen?
    Wenn man das Leben liebt, scheut man auch den Tod nicht.

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