Mehr Entropie

Wie beeinflusst es unser Denken, wenn wir auf mehr unerwartete Informationen stoßen als gewohnt? Angenommen, auf dem Desktop erscheint jede Minute ein anderes, zufällig aus den 2,3 Millionen englischen Wikipedia-Artikeln ausgewähltes Thema und dazu eine kurze Beschreibung. Ist die einzige Auswirkung davon, dass wir uns noch leichter von dem ablenken lassen, was wir erreichen wollen?

Oder gibt es Tätigkeiten, auf die es sich positiv auswirkt, eine Vielzahl unterschiedlicher Erinnerungen kurz zu aktivieren (Priming), so dass mit diesen verbundene Konzepte in der darauf folgenden Zeit für Assoziationen zur Verfügung stehen, bei denen sie sonst möglicherweise nicht aufgerufen worden wären?

Mac-User können das selbst ausprobieren:

  1. GeekTool installieren.

  2. random_wiki.py herunterladen.

  3. python /path/to/random_wiki.py

    als Shell-Kommando zu GeekTool hinzufügen.

  4. cat /tmp/random_word

    als Shell-Kommando zu GeekTool hinzufügen.

4 Comments

  1. Benedict on April 1, 2008, 11:17

    …ein Psychologe der McGill hat dazu neulich ein paar interessante Nebeneffekte festgestellt: Bekamen Versuchspersonen technische Bastelaufgaben, die sie nur äußerst schwer lösen konnten, bewirkte ein Priming mit zufälligen Star Trek-Episoden eine Verbesserung um 20%, was die zum Lösen nötige Zeit angeht. Im Tierversuch hat man sogar festgestellt, das Primaten schneller auf die Idee kommen, ihnen unbekannte Objekte als Werkzeuge zu benutzen, wenn man ihnen in zufälligen Intervallen leichte Schläge auf den Hinterkopf verpasst. Eine weitere Gruppe von Affen, denen streng rhythmisch der Schädel geklopft wurde, zeigte hingegen eine leichte Verschlechterung gegenüber der Kontrollgruppe.
    Die TU Braunschweig überlegt nun, sämtliche Powerpoint-Präsentationen ihrer Dozenten mit Zufallsbildern zu durchsetzen, um sich diese Priming-Effekte zu Nutze zu machen. Die Fachschaft der Maschinenbauer hat allerdings bereits beantragt, statt Zufallsbildern ausschließlich Nacktbilder bekannter Filmstars zu verwenden, da für das Priming nicht die Motive der Bilder, sondern die Unterbrechung des Vortrages an sich entscheidend sei.
    Wir sollten das in einer BSc-Arbeit überprüfen.

  2. Ein Harvard-Psychologe hat zusätzlich festgestellt, dass Unterbrechungs- und Ablenkungseffekte dazu beitragen, dass wir das, was wir lesen, unreflektiert glauben. Die Fähigkeit jedes an der schnellstmöglichen Verbreitung der WahrheitTM interessierten Dozenten und Tutoren, für ausreichend Unruhe und Ablenkungsmöglichkeiten während seiner Veranstaltungen zu sorgen, wird in Einstellungsgesprächen heute noch oft vernachlässigt. Es sei allerdings erwähnt, dass es vor allem in Niedersachsen zunehmend Universitäten gibt, die auf Ergebnissen der Kognitionsforschung aufbauend hier eine Vorreiterrolle einnehmen. April April?

  3. Vielen Dank fuer dieses kleine Gimmick, jetzt bin ich die ganze Zeit dabei auf meinen Desktop zu starren… ;)

    Was fuer eine Schriftart, Schriftgroesse und Size hast du fuer das Random-Wiki benutzt?

    Greetings

  4. Schriftart Cochin, 64 für den Titel, 14 für die Beschreibung.

    Danke, jetzt darf ich erst einmal die Artikel über Bayesian filtering, Mounds und die Nickel deposits of Finland lesen ;).

Write a Comment