Dringende Züge

Es kommt vor, dass man bei Go all die kleinen Kämpfe gewinnt und am Ende das Spiel verliert, weil das Gesamtbild nicht passt. Keine der lokalen Plänkeleien ist eine Herausforderung — zwei, drei Steine, nichts Großartiges. Ein wenig schränkt man so ein, wie man sich auf dem Spielfeld weiter entwickeln kann, aber das ist kaum spürbar. Außerdem ist jeder der Züge dringend notwendig!

Mit jedem gesetzten Stein füllt sich das Spielfeld weiter, immer mehr wird dringend notwendig und wir machen weiter, weil die kleinen Siege befriedigen. Erst dann, wenn schon fast alles zugebaut ist, wird klar, dass das, was man gewonnen hat, ein erstaunlich kleiner Teil des Spielfelds ist.

4 Kommentare

  1. “C’est la vie” mein Freund! ;)

    Ein sehr schönes Beispiel dafür, dass all unser engagiertes Handeln am Ende doch kaum Auswirkungen auf das Ziel hat.

    Die Entwicklung der Dinge nimmt einfach ihren Lauf. Ob mit, oder ohne unser Zutun.
    Ich denke das sollten die “Weltverbesserer” unter uns endlich akzeptieren, statt ihr ganzes Leben dafür zu opfern alles in der Welt zum Besseren ändern zu wollen.

    Der Weg ist das Ziel.
    Also lebt auch dementsprechend.
    Genießt das Leben Leute!
    Auf der Welt gibt es so viele schöne Dinge zu entdecken! :-)

    Leider kommen die meisten Menschen erst an ihrem Sterbebett zu dieser Einsicht.
    Dann ist es leider zu spät…

    Carpe diem!

  2. Es bedeutet lediglich das man sich nicht in Details verlieren und darüber den größeren Kontext vergessen darf. Nach meiner Erfahrung haben gerade die sogenannten “Weltverbesserer” einen guten Sinn für den größeren Kontext.

    Gruß
    Tasoris

  3. Nein, ich habe es auch sofort auf den “größeren Zusammenhang” des Lebens bezogen. Es ist eine meiner größten Ängste, meine Motivation in Ziele zu investieren, die sich im Nachhinein als nicht vereinbar mit meinem eigentlichen, größeren Ziel herausstellen. Ich bin gerade dabei zu realisieren, dass wir bei all den alltäglichen Aufgaben des Lebens (Studium, Arbeit, Hobbies, Familie) uns selbst nicht vernachlässigen sollten. Nur indem man sich genügend Zeit für die eigene, persönliche Entwicklung nimmt, wird man in der Lage sein, seine Ziele zu finden und sich nicht in den “Details” zu verlieren.

  4. Sapere aude am 5. May 2008, 0:19 Uhr

    Michael, du sprichst mir aus dem Herzen.
    Ich war auch jahrelang der sogenannte “Weltverbesserer”, der GEGEN die böse Globalisierung war, der FÜR Entwicklungshilfe in Afrika & Co. war. Der einfach nur all die Konflikte, die Armut und das Elend der Welt gesehen hat. Der unsere ach so schlechte Welt zum Guten ändern wollte.

    Ich weiß schon gar nicht mehr wieviel Zeit und Energie ich in all meine Taten gesetzt habe nur um diesem Ziel etwas näher zu kommen…
    Dabei merkte ich, dass ich immer unglücklicher wurde beim Anblick der Armut, der Gewalt und der Umweltverschmutzung auf unserem Planeten. Immer unglücklicher wurde ich darüber hinaus auch deshalb, weil ich mich immer mehr in meinen philosophischen Büchern verkrochen habe, lieber die Zeit in meinem Zimmer statt draußen verbrachte und immer mehr den Kontakt zu meinem sozialen Umfeld verlor. Ein typischer Außenseiter halt.

    Doch irgendwann, hat es einfach “Klick” bei mir gemacht. Ich weiß nicht wer oder was dieser Auslöser war, es kam einfach.
    Ich sah enfach all die Menschen, die sich nicht darum kümmerten welcher Konflikt wo gerade stattfand. Sie nahmen diese Tatsachen einfach hin, weil sie wussten, dass sie ja doch kaum etwas aurichten können. Sie genossen einfach das Leben und waren schlicht und einfach GLÜCKLICH!

    Und ist Glück nicht das wonach wir alle streben?

    Da begann ich einfach das Positive und all die schönen Dinge des Lebens zu sehen. Ich stellte all mein Handeln und all mein Engagement in Frage und kam zu dem Schluss, dass ich mit meinem bisherigen Handeln wohl in absehbarer Zukunft zwar schon etwas zum positiven ändern könnte. Aber für diese kleine “Weltverbesserung” müsste ich einen viel zu hohen Preis zahlen der in keinem Verhältnis zu meinem beabsichtigten Ziel stand.

    Na ja, was soll ich sagen?
    Inzwischen werden meine sozialen Kontakte wieder mehr und mehr. Ich bin insgesamt zufriedener und glücklicherer geworden.
    Ich habe angefangen die Welt ein wenig kennenzulernen (Rucksacktour durch verschiedene Länder).
    Ich überlege mir sogar allen Ernstes nach meinem Studium der Wirtschaftsinformatik nach Asien auszuwandern und ein ganz einfaches aber glücklicheres Leben zu führen. Fern ab von dem Stress und der Hektik der westlichen Metropolen. Einfach niederen Arbeiten nachgehen, nach Feierabend mit Freunden den Abend genießen oder einfach mal einen Tag lang in der Hängematte liegen und ein schönes Buch lesen :)

    Warum ich all das persönliche Gesülze hier schreibe?
    Hmmm… Wahrscheinlich weil ich schon wieder bis nach Mitternacht über meinem Java-Quellcode sitze und mich inzwischen immer öfter frage, ob mich diese Tätigkeiten irgendwann mit Sinn erfüllen und mich glücklicher machen werden…

    “Man ist meistens nur durch Nachdenken unglücklich.”
    (Joseph Joubert, französischer Schriftsteller)

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