Über Googles Verhältnis zu künstlicher Intelligenz
“We are scanning those books to be read by an AI”. So lauteten die Worte seiner Gastgeber, schreibt der Historiker George Dyson über seinen Besuch des Google-Hauptquartiers. Eigentlich sollte uns das nicht überraschen. Was künstliche Intelligenz angeht treffen sich Möglichkeiten und Motivation nirgendwo so direkt wie bei Google.
Möglichkeiten
- Das Kapital. Das Unternehmen hat inzwischen über sieben Milliarden Dollar an kurzfristig liquiden Mitteln.
- Die Infrastruktur. Im Januar 2005 berichtete Technology Review, dass Google ein globales Netz von über 250.000 Servern betreibt.
- Das Personal. Wer die führenden Forscher im Bereich Machine Learning sucht, wird bei Google vermutlich eher fündig als an den meisten Universitäten. Auch sonst scheint das Unternehmen viele inspirierte, am Bereich KI interessierte Angestellte zu haben. Louis Monier, Gründer von Altavista, schreibt über seine Zukunft bei Google:
We have a few tools today, mostly statistics to isolate repeating data from the noise, but I think we will eventually go much further. What we need are generic pattern recognition engines. It ties into what Jeff Hawkins is talking about on the structure of the neocortex.
Motivation
Bereits heute legt Google nicht nur großen Wert auf den Algorithmus für die Sortierung der Suchergebnisse, sondern auch auf den zur Optimierung der Werbeanzeigen. Je genauer vorhergesagt werden kann, ob ein Besucher auf einen Werbelink klickt oder nicht, desto besser für Googles Finanzen. In einem Artikel der NY Times (Registrierung nötig) stand dazu letztens:
Hidden behind its simple white pages, Google has already created what it says is one of the most sophisticated artificial intelligence systems ever built. In a fraction of a second, it can evaluate millions of variables about its users and advertisers, correlate them with its potential database of billions of ads and deliver the message to which each user is most likely to respond. Because of this technology, users click ads 50 percent to 100 percent more often on Google than they do on Yahoo, Mr. Noto estimates, and that is a powerful driver of Google’s growth and profits.
Die finanzielle Seite ist jedoch nur eine von mehreren, und angesichts von Googles bisheriger Entwicklung nicht unbedingt die einflussreichste (es sei denn, nach dem IPO hat sich doch mehr geändert als Sergey, Larry & Co zugeben wollen ─ aber das ist ein anderes Thema). Wenn Texte nicht mehr nur auf statistische Merkmale hin analysiert, sondern inhaltlich verstanden werden, löst das jede Menge Probleme. Was ist relevant? Was ist Spam? Und um was geht es auf einer bestimmten Internetseite eigentlich?
Googles proklamiertes Ziel ─ to organize the world’s information ─ ist ohne künstliche Intelligenz nur in Grenzen möglich. Noch haben wir diese Grenzen nicht erreicht, und ob es noch Jahre oder Jahrzehnte dauern wird lässt sich schwer sagen. Daran, dass wir diese Grenzen erreichen werden, besteht jedoch wenig Zweifel.
Zum Ende seines Artikels, kurz nach ein paar Worten zur Arbeitsathmosphäre bei Google, schreibt George Dyson:
For 30 years I have been wondering, what indication of its existence might we expect from a true AI? Certainly not any explicit revelation, which might spark a movement to pull the plug. Anomalous accumulation or creation of wealth might be a sign, or an unquenchable thirst for raw information, storage space, and processing cycles, or a concerted attempt to secure an uninterrupted, autonomous power supply. But the real sign, I suspect, would be a circle of cheerful, contented, intellectually and physically well-nourished people surrounding the AI.
So viel für heute aus der Connecting-The-Dots-Abteilung.
