Die Zukunft der Intelligenz

In dem Kapitel “The Future of Intelligence” aus dem Buch “On Intelligence” nimmt Jeff Hawkins Stellung zu Fragen wie der nach der Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Baus von intelligenten Maschinen. Er erörtert, ob dies aus ethischer Sicht überhaupt erstrebenswert ist und in welchen Gebieten künstliche Intelligenz möglicherweise eingesetzt wird, sowohl in naher Zukunft als auch auf lange Sicht.

Können wir intelligente Maschinen bauen?

Ja, sie werden sich aber in der näheren Zukunft auf spezifische Einsatzbereiche beschränken. Menschenähnliche Allzweck-Roboter sind unrealistisch, da Menschen nicht nur aus Großhirnrinde bestehen (Emotionen etc) und die Kosten und der Aufwand enorm wären.

Intelligente Maschinen können eine beliebige Auswahl von “Sinnesorganen” besitzen, mit denen Sie Muster in der Welt aufnehmen können. Diese werden mit einem hierarchischen System verbunden, das nach dem Prinzip der Großhirnrinde funktioniert. Durch Lernvorgänge wird das System ein Modell seiner Welt bilden, Analogien herstellen, Vorhersagen treffen und Lösungen für neue Probleme finden.

Die zwei größten technischen Herausforderungen beim Aufbau des Erinnerungsspeichers sind Kapazität und Konnektivität:

Wenn jede Synapse nur zwei Bit belegt, so benötigen wir bei 32 Billionen Synapsen etwa 7 Terabyte Speicherplatz, was etwa 80 heute handelsüblichen Festplatten entspricht. Mit zunehmender Speicherkapazität ist das durchaus im Bereich des möglichen, vor allem da nicht die gesamte Großhirnrinde simuliert werden muss.

Schwieriger ist das Problem der Konnektivität: Jede Zelle ist mit 5.000-10.000 anderen Zellen verbunden; dies lässt sich nur schwer in Silizium umsetzen.

Sollen wir intelligente Maschinen bauen?

Grundsätzlich kann fast jede neue Technologie für positive und negative Zwecke eingesetzt werden. Intelligente Maschinen werden sich aber nicht automatisch selbst vermehren und die Menschheit auslöschen: Zwischen Gehirn-ähnlichen Systemen und Selbst-Vervielfältigung besteht kein logischer Zusammenhang.

Intelligente Maschinen werden nicht mehr als extrem nützliche Werkzeuge darstellen; da sie nichts besitzen, was menschlichen Emotionen ähnelt, werden sie keine eigenen Ziele oder Ambitionen haben.

Wofür werden intelligente Maschinen eingesetzt werden?

Im Detail ist das heute nicht vorhersehbar; Hawkins trifft lediglich Prognosen über den Einsatz in naher Zukunft und über grundsätzliche Trends.

In naher Zukunft:

  • Spracherkennung
  • Analyse von Bildern und Videos
  • intelligente Fahrzeuge

Aspekte, die auf lange Sicht von Bedeutung sein werden:

  • Geschwindigkeit: Silizium-Hardware ist eine Million mal schneller als biologische; wofür Menschen Jahre brauchen, könnte in Minuten erledigt werden.
  • Kapazität: Die Größe des Speichers eines intelligenten Systems muss nicht auf die Größe des menschlichen Gehirns beschränkt sein.
  • Replizierbarkeit: Einmal trainiert kann eine intelligente Maschine millionenfach hergestellt werden.
  • Sensoren: Intelligente Maschinen müssen sich nicht auf die dem Menschen zur Verfügung stehenden Sinnesorgane beschränken. Ein Sinnesorgan muss lediglich Daten liefern, in denen Muster erkennbar sind. Ob Sensoren für elektromagnetische Felder oder ein weltumspannendes Netz von Klimasensoren, alles ist möglich.

Hawkins glaubt, dass wir an einem Wendepunkt der KI angelangt sind und hält es für möglich, dass innerhalb von 10 Jahren intelligente Maschinen zu einem der wichtigsten Gebiete in Wissenschaft und Technik werden.

The Intels and Microsofts of a new industry built on hierarchical memories will be started sometime within the next ten years.

[1] Jeff Hawkins, Sandra Blakeslee: On Intelligence (Times Books, 2004)
[2] Jeff Hawkins: On Intelligence (AI Playground)

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