Die Zukunft der Hirnforschung

Wie weit wird die Hirnforschung in 10 Jahren fortgeschritten sein? Über chemische Details wie die Arbeitsweise von Botenstoffen ist heute schon einiges bekannt, und auch die Zuordnung bestimmter Aufgaben zu bestimmten Gebieten der Großhirnrinde kann Fortschritte aufweisen. Doch wie sieht es mit Erklärungen für die Natur des Bewusstseins aus? Und welche praktischen Auswirkungen hat die Neurowissenschaft?

Aller Wahrscheinlichkeit nach lassen sich philosophisch interessante Fragen wie die nach der Entstehung des Bewusstseins und der Vorstellung eines “freien Willens” in 10 Jahren noch nicht beantworten, so zumindest die Meinung der Verfasser eines Gehirn & Geist-Artikels [1].

Die Grundlagen für solche übergeordneten Fragen, die Untersuchung der “Codes” mit denen Verbände von mehreren hundert oder tausend Nervenzellen kommunizieren (die so genannte “mittlere Ebene”, siehe [2]), wird aber zunehmend zum Mittelpunkt der Forschung werden. Durch neue bildgebende Verfahren mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung wird die Erfassung neuronaler Erregung bis auf die Ebene einzelner Neurone möglich werden. Mit immer leistungsfähigeren Supercomputern werden sich naturnahe Modelle neuronaler Netze simulieren lassen.

Der Gehirn & Geist-Artikel [1] stellt dazu folgende These auf:

Neben der experimentellen Neurobiologie [wird sich] die theoretische Neurobiologie als Forschungsdisziplin durchsetzen, die dann ähnlich wie die theoretische Physik innerhalb der Physik eine große Eigenständigkeit besitzt.

So soll festgestellt werden, wie das Gehirn die zahlreichen Einzelbereiche derart koordinieren kann, dass letztendlich ein zusammenhängendes Bild der Wirklichkeit und koordinierte Handlungen entstehen.

Weitere Fortschritte sind im Bereich der Medizin zu erwarten: Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, aber auch psychische Krankheiten wie Schizophrenie und Depression sollen in näherer Zukunft effektiv behandelbar sein. Psychopharmaka werden dazu gezielt an bestimmten Nervenzellrezeptoren in festgelegten Bereichen des Gehirns eingesetzt werden.

Langfristig gesehen hoffen die Neurowissenschaftler, eine zusammenhängende “Theorie des Gehirns” entwickeln zu können, die auf dem Verständnis der mittleren Ebene aufbaut. Eine Folge davon könnte sein, dass der weit verbreitete Körper-Geist-Dualismus nach und nach an Bedeutung verliert.

[1] Gehirn & Geist: Das Manifest
[2] AI Playground: Hirnforschung heute

One Comment

  1. Sehr interessant diese Zusammenfassung einer Zukunftsperspektive der Hirnforschung. Du redest von dem Einfluß der theoretischen Neurobiologie. Ich persönlich bin ebenfalls sehr daran interessiert bei der Aufklärung der mittleren Ebene mitzuwirken.
    Es gibt immer so ein Wirrwarr zwischen Neurobiologie, Hirnforscher, Neurologe und Neurowissenschaftler. Sagt man Neurowissenschaftler oder Hirnforscher kann es ein Psychologe, Mediziner oder sonst wer sein. Sagt man Neurologe ist es ein Mediziner, sagt man Neurobiologe ist es ein Biologe. Ich denke nicht, dass eine bestimmte Disziplin besonders geeignet ist, sondern viel mehr die Kooperationen zwischen den Disziplinen. Aber mit “theoretischer Neurobiologe ” meinst du schon einen studierten Biologen? Das würd mich einfach persönlich interessieren, wie du das Verhältnis der einzelnen Disziplinen siehst?

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