Was wirklich zählt — Sinn und Singularität

Was fange ich an mit meinem Leben? Zunächst wird die Schulzeit abgesessen, logo. Noch stehen alle Möglichkeiten offen. Ein Studium kann auch nicht schaden, danach sehen wir weiter. Das Leben kann kostspielig sein, vielleicht wäre eine Arbeitsstelle angebracht — also beworben und: genommen. Zwar nicht der Traumjob, aber ist ja nicht für immer. Ein paar Jahre Arbeitsalltag, ein neues Auto, vielleicht ein eigenes Haus. Traumfrau. Kinder. Rente. Ende. Oha, das war’s schon?

Besonders viele Alternativen scheint es nicht zu geben — auch wenn es theoretisch unendlich viele sind, unterscheiden sie sich meist nur um Nuancen. Studium oder doch gleich Geld verdienen? Kinder oder nicht? Büroassistent oder Flugzeugpilot? Vielleicht wäre es dennoch — oder gerade deshalb — angebracht, seine Zukunft einer etwas rationaleren Analyse zu unterziehen anstatt nur in den Tag zu leben und den Lauf der Dinge entscheiden zu lassen.

Das setzt voraus, dass man sich Gedanken über die Zukunft im Allgemeinen macht. Was wird sich in den nächsten Jahrzehnten verändern? Inwiefern wird sich unser Leben von dem früherer Generationen unterscheiden?

Ein Sprichwort sagt: “Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen.” Und es trifft den Kern der Sache. Selbst professionelle Zukunftsforscher liegen selten richtig. Wichtige Entwicklungen wie die rasante Verbreitung des Internets waren in keinen Prognosen zu finden. Die Markteinführung fliegender Autos, die nun auch schon seit einem halben Jahrhundert “vor der Tür steht”, muss ich verpasst haben. In Bezug auf die Zukunft lässt sich nur eines mit Sicherheit sagen — nämlich, dass sich nichts mit Sicherheit sagen lässt.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich Gedanken über verschiedene Möglichkeiten zu machen, mit denen uns die Zukunft überraschen könnte, ihnen Wahrscheinlichkeiten zuzuweisen und entsprechend dieser Wahrscheinlichkeiten zu handeln. Das mag theoretisch klingen, ist aber nichts Anderes als eine Umschreibung der Art und Weise, wie wir tagtäglich Entscheidungen treffen.

Ein Beispiel: Die Vorhersage des Wetterberichts spricht von “meist heiterem Wetter, vereinzelt Schauer”. Werden wir deswegen das für morgen geplante Picknick absagen? In der Regel nicht, das wahrscheinlichste Ereignis ist schließlich schönes Wetter. Dennoch packen wir einen Regenschirm ein. Trotz geringer Wahrscheinlichkeit beeinflussen die negativen Konsequenzen, die Regen hätte, unser Verhalten.

Bei der Betrachtung zukünftiger Entwicklungen bleibt uns aufgrund der Unzahl an Möglichkeiten, der “kombinatorischen Explosion”, nichts Anderes übrig, als uns auf eine Auswahl einzuschränken. Dabei wählen wir vorzugsweise die Entwicklungen, deren Einfluss auf unser Leben wir als am größten einschätzen. Dass wir viele Trends nicht richtig beurteilen können, von den meisten nichts wissen und sogar nicht einmal sagen können, wie groß der Anteil der uns unbekannten Entwicklungen sein wird, macht die Qualität unserer Entscheidungen nicht besser — doch damit müssen wir leben.

Ich will im Folgenden weniger davon ausgehen, wann genau bestimmte Entwicklungen statt finden als mich vielmehr an der grundsätzlichen Möglichkeit oder Unmöglichkeit dieser Ereignisse orientieren. Hauptsächlich geht es mir um eine Frage, deren Antwort die Zukunft der Menschheit — und damit jedes einzelnen Menschen — maßgeblich bestimmt:

Wird die technologische Entwicklung unserer Zivilisation in eine so genannte Singularität [1] münden, das heißt: Wird die stetige Beschleunigung des Fortschrittsprozesses zu einer Welt jenseits unserer Vorstellungskraft führen? Oder wird die Geschwindigkeit technologischen Fortschritts in näherer Zukunft abflachen?

Mit Blick auf die Geschichte der Menschheit schreibt Ray Kurzweil [2]:

Evolution works through indirection: evolution created humans, humans created technology, humans are now working with increasingly advanced technology to create new generations of technology. As a result, the rate of progress of an evolutionary process increases exponentially over time.

Ob sich diese exponentielle Steigerung weiter fortsetzen wird oder ob eine solche Steigerung nur ein kurzzeitiger Effekt ist, hinter dem kein allgemeines Gesetz steht, entscheidet über Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer Singularität.

Zu einer weiteren Steigerung der Geschwindigkeit des evolutionären Prozesses kann es nur dann kommen, wenn die menschliche Intelligenz auf irgendeine Weise eine höhere Intelligenz hervorbringt — sei es durch neurologische oder technologische Erweiterungen des menschlichen Gehirns (”Neurohacking”, “Brain-Computer-Interface”) oder durch die Schaffung künstlicher Intelligenz.

Dabei bleibt noch zu klären, ob durch neue Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und gesteigerte Rechengeschwindigkeit die Schaffung “echter”, denkender künstlicher Intelligenz möglich wird. Oder werden sich bislang unvorhersehbare Hindernisse auftun, die das Gebiet der KI auf die Simulation intelligenten Verhaltens einschränken, die an die Komplexität menschlichen Denkens nicht herankommt?

Sollte künstliche Intelligenz möglich sein, so ergeben sich daraus dramatische Folgen:

Die Intelligenz hängt aller Wahrscheinlichkeit nach von der Rechengeschwindigkeit der unterliegenden Hardware ab. Gleichzeitig forscht diese Intelligenz an der Weiterentwicklung der Hardware (und vermutlich auch der Software), d.h. mit jeder Weiterentwicklung nimmt die Intelligenz zu — und zukünftige Weiterentwicklungen werden noch schneller erreicht, die Intelligenz nimmt noch schneller zu. Dieser Vorgang kann innerhalb von wenigen Monaten, Wochen oder gar Tagen ablaufen (”Hard Takeoff”, [3]).

So weit die allgemeine Beschreibung einer Singularität.

“Und was genau hat das mit meinem Leben zu tun?”

Nichts, wenn Sie das Konzept einer Singularität von Grund auf ablehnen und ihm eine vernachlässigbar kleine Wahrscheinlichkeit zuordnen. Auch dann wird sich die Frage stellen, was Sie mit Ihrem Leben anzufangen gedenken. Was tun mit den 20.000 Tagen, die Ihnen noch bleiben?

In diesem Fall fällt es schwer eine eindeutige Antwort zu finden — im Endeffekt wird diese davon abhängen, ob das eigene Glück oder das anderer Menschen an erster Stelle steht. Eine Möglichkeit wäre “Job. Auto. Haus. Traumfrau. Kinder. Rente. Ende.” Was so viele tun kann doch nicht falsch sein.

Eine andere Möglichkeit wäre, dass Sie den Rest Ihres Lebens damit beginnen, mir zu schreiben (andreas@aiplayground.org), welche Tatsachen das Konzept einer Singularität völlig unplausibel machen.

Wenn eine Singularität jedoch möglich ist und noch vor unserem Tod Realität wird, so wird sie größeren Einfluss auf unser Leben haben, als wir es uns ausmalen können. Nichts wird mehr sein wie es war. Und vorausgesetzt, die künstliche Intelligenz, die diesem Prozess zugrunde liegt (”Seed AI”, [4]), wurde in Hinblick auf “freundliches”, dem Wohl der Menschheit dienendes Verhalten programmiert, so wird alles besser.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Superintelligenz Fragen nach dem Sinn, nach Religion und Gott beantworten kann, ist signifikant größer als die, dass wir Menschen es selbst können; Glück muss keine Grenzen kennen, Leid nicht länger Bestandteil des menschlichen Lebens sein; der Tod muss nicht mehr sein als ein Gedankenkonstrukt aus vergangenen Zeiten.

Und falls diese KI kein “Interesse” am Wohl der Menschheit hat? Dann ist nicht auszuschließen, dass die Ära der Menschheit zu Ende ist — oder, um es deutlicher zu sagen, dass unsere Zivilisation ausgelöscht wird.

Apotheose oder Weltuntergang — noch ist nichts entschieden.

Und hier kommen Sie ins Spiel.

Wenn Sie sich nicht nahezu sicher sind, dass eine Singularität dem Reich der Träume angehört, bleibt nur eine rationale Handlungsweise: Zum positiven Ausgang der Singularität beizutragen.

Diese Tatsache ist unabhängig davon, ob Sie aus egoistischen oder altruistischen Motiven handeln. Es ist keine Handlungsweise vorstellbar, die weitreichendere Folgen sowohl für Sie selbst als auch für die Menschheit insgesamt hat (”rational philanthropy”).

Doch was heißt das konkret, “zum positiven Ausgang der Singularität beitragen”?

Eine für jeden Menschen allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Es ist nicht einfach, herauszufinden, auf welche Weise man den größten Einfluss auf zukünftige Geschehnisse nehmen kann. Das hängt auch von den persönlichen Fähigkeiten und Qualifikationen ab — eine fest angestellte 43-jährige Bürokauffrau hat andere Möglichkeiten als ein 19-jähriger Schüler.

Einige Wegweiser: Programmieren lernen. Fortschritt fördern, in Politik oder Wirtschaft. An das Singularity Institute [5] spenden. Informatik, künstliche Intelligenz, Kognitions- oder Neurowissenschaften studieren. In diesen Bereichen forschen. Texte zum Thema “Singularität” verfassen und veröffentlichen. Das Konzept einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Zur Vermeidung existentieller Risiken [6] beitragen.

In seiner Meaning of Life FAQ [7] stellt Eliezer Yudkowsky die Frage:

How can I do something that will still matter in two hundred million years?

Viele Möglichkeiten gibt es nicht. Inzwischen kennen Sie einige davon.

[1] AI Playground: Rekursive Optimierungsprozesse
[2] Kurzweil’s Law (”the law of accelerating returns”)
[3] Singularity Institute: Hard Takeoff
[4] Singularity Institute: Seed AI
[5] Singularity Institute
[6] Nick Bostrom: Existential Risks
[7] Eliezer Yudkowsky: Meaning of Life FAQ
[8] AI Playground: Allgemeine künstliche Intelligenz

46 Kommentare

  1. Tietjen, Ulf am 1. March 2007, 11:29 Uhr

    Hallo Andreas,
    ich bin auf Deine Seite nur durch Zufall geraten.
    Nach dem lesen Deines Artikels ist die Frage die sich mir stellt eigentlich nicht wann, oder ob solch eine technische Singularität auftritt, sondern was, wenn nicht?
    Gruß
    Ulf

  2. Vor zwei Wochen hat Vernor Vinge einen Vortrag darüber gehalten, wie die Zukunft der Menschheit aussehen könnte, wenn sich Superintelligenz als nicht machbar erweist. Existentielle Katastrophen und beinahe-existentielle Katastrophen stehen ganz oben auf der Liste, andere Szenarien sind denkbar (”The Golden Age”).

    Zu beachten ist: Wenn Superintelligenz machbar ist, so kann diese selbst ein existentielles Risiko darstellen.

  3. ich bin auch schon vor kontakt mit diesen vorraussagungen zu dem schluss gekommen, dass das in den nächsten 20 bis 30 jahren passieren wird, darüberhinaus bin ich auch der meinung, dass

    - der fortschritt schnell zum stillstand kommt, weil man alles theoretische wissen erworben hat, und somit der mensch zwar in einer neuen welt leben wird, aber nicht in einer sich ständig veränderden. man wird sich vermutlich auf andere himmelskörper ausbreiten und maximalen wohlstand genießen

    - wir nicht sterben werden, solange wir die singularität erleben, denn dann wird es ohne zweifel möglich sein, seinen geist vom körper unabhängig zu machen und z.Bsp. als Android zu leben.

    Wenn das nur Alle begreifen würden und alle Mittel in die KI-Forschung gesteckt werden würden, würde die Singularität schnellstmöglich erreicht werden, die dann vermutlich endgültig alle Probleme löst.

  4. Hallo,

    ein Buchtipp zum Thema: “Accelerando” von Charles Stross
    (ISBN-10: 3-453-52195-1, ISBN-13: 978-3-453-52195-7).

    Ich möchte nicht zuviel verraten; Es zeigt ein paar sehr interessante (und von mir z.b. bis dato nicht in Betracht gezogene) Aspekte einer Singularität und ihrer Risiken. Dieses Buch ist eines der wenigen, die ich innerhalb von 2 Tagen verschlungen habe.

    Viel Spass beim Lesen,

    Andreas (nein, nicht derselbe wie der Autor dieser Seite)

  5. Interessanter Artikel…
    Was mir als erster Gedanke dazu eingefallen ist:
    Wenn es auf Grund von Wissenschaften schwerer wird an Religion und Gott zu glauben, dann schafft man sich einen eigenen Gott? Ist das dann ein wirklicher Wandel, oder nur eine veränderte Form von dem, was geschichtlich sowieso schon existierte.

    Zumindest bin ich mir bei einem sicher, dass nämlich eine sogenannte “Super-KI” kaum “in eine Richtung” zu kontrollieren ist, das klappt doch bei Menschen auch oft nicht.

  6. die genannte möglichkeit zum kontrollieren der entwicklung der singularität scheint mir so plausibel wie die möglichkeit eines fisches, die gesamte fangflotte der menschen zu stoppen.

  7. Ich frage mich allen ernstes, steigert das unsere Lebensqualität,
    hat mann z.B. mit der PS3 mehr Spaß als mit dem Supernintendo?
    Waren die Naturvölker z.B. Indianer nicht zufriedener als die Menschen heute?

  8. Es ist jetzt zwar schon ziemlich spät aber ich muss noch eine beunruhigende Betrachtungsweise zu diesem Thema hervorbringen.
    Nehmen wir an das eine Super-KI, die die intelektuellen Fähigkeiten der Menschen übersteigt, in 30 Jahren Realität sein wird und das unsere Welt, sozial, politisch und wirtschaftlich, noch in etwa so aussieht wie heute. Dann wäre es nicht nur möglich, sondern sogar sehr warscheinlich das innerhalb kürzester Zeit aus einer im Grunde “guten” KI, eine im Grunde “böse” entsteht. Falls nicht schon vorher irgendein Wissenschaftler, Programmierer oder gelangweilter Student dies Versucht, so wird sich Osama Bin Laden (oder sein Nachfolger) ein “C für Dummies” bersorgen und aus der guten eine böse KI machen. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn diese nicht sofort anfangen würde sich gemäß Programmierung zu verbreiten und global maximalen Schaden anzurichten. Diese “Programm” wäre mit entsprechender Rechenleistung in der Lage jede von Menschen programmierte und damit fehlerhaft Firewall zu knacken, quasi in Echtzeit, ggf. sogar Nuklearreaktoren “anzugreifen”, sofern diese erreichbar wären. Das heißt zumindest die vernetzte Welt wie wir sie kennen würde augenblicklich aufhören zu existieren und die Menschheit würde sich augenblicklich wieder in der Steinzeit befinden.
    Kein Mensch könnte dies verhindern, schon allein weil derjenige zu lang brauchen würde um mit zwei Klicks seine Internetverbindung zu kappen. Das beste was uns in so einem Fall passieren könnte wäre das “gute” KI diese Bedohung bekämpft, wofür allerdings bereits im Vorfeld (bei der Programmierung) klar sein muss das ein solches Problem auftreten kann. Dies würde uns in jedem Fall die Kontrolle entziehen, da unsere Zivilisation dann vollkommen von der für uns arbeitenden “guten” KI abhängig wäre und die Chance besteht das diese verliert.

    Ich hoffe damit keinem den ruhigen Schlaf zu verderben, also Gute Nacht!

  9. “In der Futurologie bezeichnet der Begriff Technologische Singularität den Zeitpunkt, ab dem der technische Fortschritt so schnell abläuft, dass ihn ein durchschnittlicher Mensch ohne Hilfsmittel nicht mehr begreifen kann.” - Wikipedia Artikel zu Technologische Singularität.

    Ich denke, dass es sehr schwer bis unmöglich ist, die Auswirkungen einer Singularität z.B. in Form einer künstlichen Intelligenz vorherzusagen. Die beiden Extremen “Golden Age” oder Weltuntergang sind zwar denkbar, aber nicht notwendig. Ob man sie anstreben sollte ist eine meiner Meinung nach eher philosophische Frage nach dem Sinn des Lebens.

    Meine Meinung: wieso nicht - was haben wir zu verlieren?

  10. Ich denke, dass es sehr schwer bis unmöglich ist, die Auswirkungen einer Singularität z.B. in Form einer künstlichen Intelligenz vorherzusagen.

    Deshalb gibt es Organisationen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Auswirkungen vorhersagbarer zu machen — dadurch, dass sie nicht versuchen, die Auswirkungen vorherzusagen, sondern sie so zu gestalten, dass wir in Retrospekt damit zufrieden sind. Stichwort Seed AI.

    was haben wir zu verlieren?

    Alles. Und alles zu gewinnnen.

  11. Zuerst einmal ein Kompliment zu dem gelungenen Text, der mich auch für Laien verständlich dünkt. Das Thema ist von oberster Wichtigkeit und es wäre töricht, eine Diskussion in der breiteren Öffentlichkeit zu verschieben. Ich möchte dem Autor beipflichten, jede und jeden ermutigen sich der Sache anzunehmen. “Spread the word”, wie es so schön heisst.

    Die technologische Singularität ist eine todernste Sache. Wie oben in anderen Worten steht, kann sie zum grössten Segen oder zum schrecklichsten Fluch werden. Dabei ist die Auslöschung der menschlichen Zivilisation nicht einmal das Szenario, welches am Meisten zu fürchten wäre. Ich kann verstehen, dass dies oben nicht erwähnt wird; es kann sich jeder ausmalen, wozu eine “sadistic AI” im Stande wäre.

    Unter Umständen würde sich eine überlegene KI gar nicht gross um uns scheren, ebensowenig, wie wir uns um die Würmer in unserem Garten kümmern. Dies erscheint als der “neutrale” Ausgang. Sie könnte sich auch erkenntlich zeigen und uns, als Dank für ihre Erschaffung, von unseren Problemen befreien, den Weg zur Erleuchtung zeigen oder dergleichen. Meines Erachtens sollten wir es gar nicht erst soweit kommen lassen, dass eine einzige übermächtige Intelligenz das Schicksal der ganzen Zivilisation oder gar des Universums bestimmt.

    Der Mensch, jedes einzelne Indiviuum, sollte sich entwickeln, verbessern. Die Idee besteht darin, die Einkommens- und Bildungsunterschiede weltweit bis zur Singularität derart zu nivellieren, anzugleichen, dass alle Zugang zu den “enhancements” haben. Dies würde jedem Einzelnen ermöglichen, ein Teil der Singularität zu werden, Teil eines Netzwerks oder Grids. Die Entscheidungen, welche die Mensch-Maschine Zivilisation als Ganzes betreffen, würden dann von Allen gemeinsam getroffen. Das könnte man als Meta-Bewusstsein bzw. Meta-Willen bezeichnen. Eine Art Erweiterung der Demokratie oder ein Borg-Staat - je nach konkreter Implementierung und Sichtweise. Verteilte Macht und Ressourcen könnten zu einer positiven Singularität beitragen.

  12. Ich weiß nicht genau, ob der Aufruf des Autors ihm Argumente zu liefern warum die Singularität so nicht eintreffen würde ernst gemeint war oder eher ironisch. Rein technologisch kann man sich dem Problem sowieso nicht nähern, wenn man sich nicht in Spekulationen verlieren will. Betrachten wir die Sache also ganz nüchtern und stützen uns auf Beobachtungen:

    Zum einen haben wir hier ein klassisches “Münchhausen-Dilemma”. Das ist zwar ein alter Hut, aber genauso unwiderlegbar. Wir wollen etwas erschaffen, das uns überlegen ist. Wir bauen Geräte, die Fliegen können. Gut, das können WIR definitiv nicht. Wir erschaffen mechanische Strukturen, die in der Lage sind schwere Lasten zu heben oder sich in die größten Tiefen zu begeben. Zugegeben, das ist beachtenswert. Es entspringt aber alles unserem Geist. Die Schaffung einer künstlichen Intelligenz ist eine ganz andere Liga.

    Die optimierung der Hardware allein kann nicht der Weg sein. Zumindest nicht so, wie wir sie heute betreiben. Letztendlich kann JEDE auch noch so komplexe Berechnung, die heute von einem noch so leistungsstarken Computer durchgeführt wird, auch “zu fuß” auf einem Blatt Papier erledigt werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, die dafür benötigt würde. (und der Menge des Papiers :-))

    Nicht ein Mal der Begriff der normalen, uns alltäglichen menschlichen Intelligenz ist heute eindeutig definiert. Das muss aber die wesentliche Voraussetzung dafür sein um Intelligenz simulieren zu können. Wir können nichts nachbauen, wovon wir nicht mal wissen wie es eigentlich beschaffen ist.

    Setzen wir die Intelligenz eines Neugeborenen gleich fünf und die eines Physikprofessors gleich hundert, dann ist die heutige “KI” immer noch bei null. Da kann sich die Rechnerleistung monatlich verdoppeln. Das Vielfache von null bleibt null.

  13. Adriano Gredore am 8. January 2008, 0:01 Uhr

    Sehr interessant…

    Es ist wohl entscheident, wie diese KI realistiert wird…Hat sie einen körper wie wir, identisch mit herz und lunge, nur eben ein gehirn, dass unserem weit vorraus ist, wird es sich keine unschönen dinge antun…Er könnte warscheinlich seinen körper steuern wie es will und würde sich wohl eher ständig glücklich machen…Er würde die genies bewundern können, wie Göthe oder Kant..Machen die Genies aus unserer zeit ja auch auch…Wieso sollte eine noch höher entwickelte, “Menschliche-KI” das nicht auch tun…
    Ist es jedoch nur eine “blechkiste” (auch mit armen und beinen), aber ohne orgenen etc, nur einem mega entwickeltem rechner, der eben irgendwie kreativ denken kann, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass er rein logisch sich dazu entschließt, die menschen aus zu rotten…Er ist uns dann so vorraus, dass wir ihn eigentlich nur noch in der entwicklung aufhalten bzw ihm platz weg nehmen, sowie bäume, häuser etc…Außer er bewundert unsere fähigkeiten, zu fühlen, zu lieben usw…Oder er rechnet wiederum aus, dass dies nur zeit verschwendung ist und das logischste wäre, dass die KI den ganzen Kosmos bevölkern und alles andere auslöschen, was unter entwickelter ist…
    Vielleicht treffen sie dann auf eine noch höhere intelligenz…Ich liebe solche träume :D

  14. Bardia Charaf am 4. February 2008, 20:13 Uhr

    Guten Abend

    Kann mir jemand sagen, ob es eine deutsche Fassung von “The Singularity Is Near” gibt?
    Vielen Dank für die Hilfe.

    Bardia Charaf

  15. Ich sitz gerade im Internetcafe und kann mich jetzt nicht so genau mit dem Thema auseinander setzen.

    Nur soviel: Auch die allerintelligenteste KI kann nicht die Naturgesetze abschaffen und das hat Konsequenzen für den Fortschritt insofern, als dass er begrenzt sein wird. Diesen Zusammenhang habe ich versucht, in einer Gaußschen Glockenkurve darzustellen. Wen’s interessiert kann mal auf meiner Website vorbei schauen.

  16. @Willi:

    Der Punkt ist doch, daß bis jetzt niemand alle “Naturgesetze” kennt bwz. deren Auswirkungen und Wechselwirkungen miteinander vorhersehen kann.

    So viele offene Fragen, wie kann man da annehmen, die zur Zeit gültige Version unserer Weltvorstellung könnte dazu herangezogen werden, die theoretische Grenze von “irgendetwas” bestimmen zu können?

    Nimm dir nur mal das Thema “Monsterwellen” zur Brust: Noch bis vor kurzem sprachen eigentlich alle Theorien gegen die Existenz von Monsterwellen. Man versteht doch alle grundlegenden Gesetze, und trotzdem kommt es zu einer eklatanten Fehleinschätzung.

    Mfg,
    Andreas

  17. Der Punkt ist doch, daß bis jetzt niemand alle “Naturgesetze” kennt

    Da geb ich dir Recht, wobei ich vor allem den Ausdruck „bis jetzt“ unterstreichen würde. Und mit fortschreitender Technik und vielleicht auch mit Hilfe von KI wird es wohl noch Einiges zu entdecken geben. Aber ich bin überzeugt, dass die Arbeit der Physiker irgendwann mal abgeschlossen ist.

    Und sollte ich mich im letzten Punkt irren, was soll’s. Selbst wenn man nicht wüsste, dass die Lichtgeschwindigkeit eine unüberwindbare Barriere ist, man könnte trotzdem nicht schneller als das Licht reisen. Du siehst also, selbst die unbekannten Gesetze können einen behindern.

  18. Ohne jetzt irgendwie hartnäckig erscheinen zu wollen:

    Zitat:
    Selbst wenn man nicht wüsste, dass die Lichtgeschwindigkeit eine unüberwindbare Barriere ist, man könnte trotzdem nicht schneller als das Licht reisen.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus!
    Die aktuelle Version unseres Weltbildes behauptet, daß die Lichtgeschwindigkeit nicht überschritten werden kann. Ob das so bleibt? Wer weiss? Wissenschaftliche Theorien zeichnen sich ja nicht durch absoluten Wahrheitsanspruch aus, sondern durch Falsifizierbarkeit. Sie gelten solange aktuell, bis sie nicht mehr mit Beobachtungen der Umwelt übereinstimmen. Beispielsweise wurde viele Jahrhunderte lang Newtons Gravitationstheorie als absolut korrekt angesehen. Daraus folgt: Nur weil eine Theorie seit Jahren, Jahrzenten oder eben auch seit Jahrhunderten keinen Widerspruch mit den Beobachtungen der Umwelt erfährt, bedeutet dies noch nicht die tatsächliche Korrektheit derselben. Streng genommen, gibt es also gar nichts, wass man hundertprozenig weiss
    (na, “cogito, ergo sum” mal aussen vor gelassen).

    Viele Grüsse,

    Andreas

  19. Hallo Andreas

    Nehmen wir mal an, es gäbe so etwas wie die „letzte Wahrheit“. Dann war der gute alte Newton eigentlich schon recht nah dran. Er konnte mit guter Näherung die Bahn der Planeten berechnen.

    Dann kam Einstein und rückte noch ein Stückchen näher an die „letzte Wahrheit“ heran. Ja, vielleicht ist die allgemeine Relativitätstheorie schon die „letzte Wahrheit“, zumindest in der Welt der großen Dinge. Denn wie will man noch perfekter als perfekt die Bahn der Gestirne berechnen.

    Und was die Lichtgeschwindigkeit anbelangt, dann spiel doch mal meine kleine Simulation zur Lorentztransformation durch und erklär mir, wie du die überlisten willst. Und diese Transformation konnte seit über 100 Jahren durch kein Experiment falsifiziert werden..

    Okay, durch KI werden uns noch Falsifikationsmöglichkeiten in die Hand gegeben werden, die dann auch wirklich den allerletzten Mist aus dem physikalischen Weltbild löschen. Und was dann am Ende noch übrig bleibt, ist eben die „letzte Wahrheit“.

    Man könnte es sogar noch theologisch formulieren:

    KI könnte uns dabei helfen, Gottes Gesetzeswerk vollständig zu offenbaren, allerdings nicht, es zu übertreten.

  20. Hallo Willi,

    Was deine Lorentztransformation angeht: Ich bin kein Physiker, ich beschäftige mich eher mit Bits & Bytes. ;-)
    Aber ich habe mich ein bisschen mit Karl Popper beschäftigt, und daher ist für mich klar: Keine der bisher gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse ist in Granit gemeisselt.

    Jetzt wird es vielleicht ein wenig fantastisch: Nehmen wir doch einfach mal an, die Lichtgeschwindigkeit ist eben nicht so konstant, wie wir uns das vorstellen. Wenn Messungen plötzlich ergeben, daß sich die Vakuum-Lichtgeschwindigkeit verändert hat (und zwar konstant in allen Bezugssystemen), gäbe es einen Beobachtungssatz, der viele Theorien angreifen würde. Sie müssten überdacht werden.
    Übrigens wird genau auf diesen Sachverhalt auch im Wikipedia-Eintrag http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtgeschwindigkeit eingegangen: “Während die Konstanz der Vakuumlichtgeschwindigkeit ein durch Messungen ermitteltes physikalisches Gesetz ist (solange es nicht durch andere Messungen widerlegt wird)…”

    Ohne also deine Theorien & Überlegungen zur Lorentztransformation
    etc. überhaupt zu kennen (geschweige denn verstehen), kann ich trotzdem sagen, daß sie durch mögliche Beobachtungen angreifbar und damit falsifizierbar ist. Wäre das nicht der Fall, wäre deine Theorie gleichzusetzen mit religiösen Themen wie dem Leben nach dem Tod: Sie hätte keinen Bezug zur erfahrbaren Welt, treffen keine Aussagen über das, was uns umgibt.

    Zur “letzten Wahrheit”:
    Eine letzte Wahrheit würde implizieren, daß der “universelle Gesetzestext” “endlich kompliziert” ist.
    Wieso meinst du eigentlich, daß die für das Beschreiben des Universums nötigen Gesetze in endlicher Zeit erfasst werden können? Gibt es irgendwelche Hinweise, die das nahelegen?

    Viele Grüsse,

    Andreas

  21. Hallo Andreas,

    Die folgende Textstelle habe ich aus
    http://www.diebibel.de (1Kön 7,23)

    23 Dann machte er das «Meer». Es wurde aus Bronze gegossen und maß zehn Ellen von einem Rand zum andern; es war völlig rund und fünf Ellen hoch. Eine Schnur von dreißig Ellen konnte es rings umspannen.

    Mit anderen Worten: In König Salomons Tempel befand sich ein Wasserbecken mit 10 Ellen Durchmesser und 30 Ellen Umfang. Es wurde also mit einem Wert von Pi = 3 gerechnet. Einem heutigen Grundstücksbesitzer, welcher einen Zaun um sein kreisförmiges Gelände bauen will, mag dieser Wett ein wenig ungenau sein und mit Pi = 3,14 rechnen, damit er die richtige Materialmenge bestellen kann. Sein etwas übergenauer Freund mag vielleicht sagen: „Ja spinnst du? Das ist der genaue Wert:“
    3,1415926535897932384626433832795 (PC Taschenrechner)
    Na gut, und jetzt kommt noch ein übergenauer Mathematiker und Philosoph daher und sagt: Es gibt gar keinen exakten Wert von Pi. Wir haben zwar jetzt so und so viele Millionen Nachkommastellen ermittelt aber das ist immer noch eine nur grobe Näherung von etwas, was es gar nicht gibt.
    Und was soll ein praktischer Architekt mit solch philosophischen Haarspaltereien anfangen? Nichts! Pi = 3,14 und das ist für die Praxis mehr als ausreichend.
    So ist es auch mit der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit. Die RT baut darauf auf. Autofahrer können sich darauf verlasen, wenn sie auf ihr Navigationsgerät metergenau an ihr Ziel führt. Ja, es gibt sogar millimetergenaue Navigationsgeräte, wobei allerdings für den Autofahrer eine derartige Genauigkeit schon wieder vollkommen uninteressant ist. Und jetzt wird meinetwegen Einstein vom Sockel gestoßen, und seine Theorie durch ein Gedankengebäude ersetzt, was nanometergenaue Navigation erlaubt. Hat das dann noch irgendeine Bedeutung für unser Leben, wenn im Straßenverkehr metergenaue Navigation mehr als ausreichend ist?
    Ich meine, wir sind inzwischen schon so weit an Wahrheiten dran, die es vielleicht gar nicht gibt, dass jede weitere Annäherung für unser praktisches Leben ohne jegliche Bedeutung sein wird, jeglicher technischer Fortschritt also irgendwann einmal zu Ende kommen wird.

  22. An der Stelle würde ich dann gaaanz dringend auf die Differenz zwischen Wissenschaft und Technologie hinweisen wollen. Technologie bastelt innerhalb der von Wissenschaft erkannten Grenzen, aber da sind wir weit von entfernt. Von igendwelchen (echten) Paradigmenwechsel sogar mal ganz abgesehen.

  23. @Willi:

    Hinkt der Vergleich nicht ein wenig? Du hast recht, was “Genauigkeiten” angeht. Aber den technologischen Wandel einzig und allein auf die Verbesserung von meßbaren Werten zu beschränken?
    Ist das einzige, was Einsteins Relativitätstheorie gebracht hat, eine Verbesserung von vorher bereits grob angenäherten Konstanten? Mitnichten. Die gesamte Nuklearforschung (zivile & militärische) fusst auf den Erkenntnissen der RT, und sie ist auch heute noch nicht beendet (siehe ITER). Hier geht es also nicht (nur) um Haarspaltereien wie die Genauigkeit von Konstanten, es können komplett neue Forschungszweige entstehen, und die Auswirkungen auf unser Leben können enorm sein!

    @Siggi: Wovon sind wir weit entfernt?

    Viele Grüsse,

    Andreas

  24. Von Technologie die bis an die Grenzen des wissenschaftlich möglichen geht. Die wiederum auch noch täglich herausgeschoben werden.

  25. Ich meine, es gibt gewisse natürliche Grenzen. Oder meint ihr, dass der Wert von Pi sich irgendwann entscheidend ändern wird, also von etwa 3,14 wieder auf 3 zurück hüpft, wie zu König Salomons Zeiten? Nein es kommen halt ein paar Millionen Nachkommastellen hinzu, was für die Praxis allerdings vollkommen uninteressant ist. Genau so unwichtig wird es sein, sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Lichtgeschwindigkeit ein wenig schwankt in einem Bereich von meinetwegen 10 hoch -40 m/s.
    Es gibt doch tatsächlich so was wie in Granit gemeißelte Gesetzmäßigkeiten. Newtons Physik wusste doch im 17. Jahrhundert schon ganz gut den Lauf der Gestirne vorher zu sagen. Einstein hat es dann halt ein klein wenig genauer gemacht.
    Newton war übrigens der Erste, der die Bahngeschwindigkeit eines erdnahen Satelliten berechnen konnte. Bis die Technik eine solche Vision verwirklichen konnte, da mussten allerdings noch 300 Jahre vergehen. Ich meine die Grenzen des technisch Machbaren wurden doch teilweise schon vor Jahrhunderten aufgezeigt. Und diese Grenzen werden sich nicht mehr entscheidend verschieben.
    Innerhalb der Grenzen des technisch Machbaren gibt es freilich noch Dinge, die man machen könnte, beispielsweise Raumschiffe bis auf fast Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, wenn es denn tatsächlich gelänge Antimaterie in ausreichender Menge zu erzeugen, die dann auch noch sicher zu lagern und dann bei Bedarf zum Antrieb des Raumschiffs zu nutzen.
    Dieser Vision sind jedoch Grenzen gesetzt, welche durch die Formel E=mc² vorgegeben werden. Und dass sich an der Erkenntnis von E=mc² noch Entscheidendes ändern wird, halte ich genauso für unwahrscheinlich, wie dass man für Pi eines Tages wieder König Salomons Wert einsetzt

  26. Pi wird sich — genauso wie die Eulerzahl — niemals ändern. Sie sind vollkommen unabhängig von Natur und Außenwelt.

    Anders ist es bei Naturkonstanten. Es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass die Naturgesetze sich von jetzt auf gleich ändern.
    Natürlich ist es überhaupt nicht vorstellbar; trotzdem ist nirgendswo verankert, dass die Naturgesetze auf ewig festgemeißelt sind.

    Die einen nennen diese Vorstellung vollkommen unplausibel, die nächsten finden Gott ebenso unplausibel, ich — und jetzt schlage ich einen schönen Bogen zurück zum eigentlichen Thema — finde die Singularität unplausibel.

    Ich wurde erst letztens darauf aufmerksam und muss nochmal tüchtig drüber nachdenken. Dennoch hab ich schon einiges an gedanklichem Gut hervorgebracht. Es schwirren Meinungen in mir herum, die eine starke KI und eine Singularität gleichermaßen anzweifeln, aber keinesfalls spruchreif sind.

    Nur soviel:
    Ich kann mich dem Eindruck nicht verwehren, dass die Singularität die Gottheit einiger Wissenschaftler und Forscher ist. Ihr kommen wird mit großer Vorfreude erwartet, ihre Kunde wird verbreitet: “Leute, fangt an zu feiern! ein goldenes Zeitalter steht uns bevor” (oder aber dementsprechend die schlechte Kunde vom Weltuntergang, ist ja auch je nach persönlicher Vorstellung einer Gottheit verschieden).

    Erinnert mich stark an die Southparkfolgen “Go God Go” und “Go God Go Part XII”, in denen eine Zukunft ausgemalt wird, wo ein jeder Atheist ist, die ganze Welt von Religion ‘befreit’.
    Niemand sagt mehr “For Christ’s sake!” oder “goddamnit”, stattdessen ist man bei “Science damn you”, “Science be praised”, “Hail Science” oder “Science-damnit!” angelangt.

    Was ist dran? Braucht ein Mensch eine höhere Macht? Wenn sich ein Mensch von Gott lossagt, braucht er dann etwas an Seiner statt? Vielleicht eine Singularität, die auf diese Welt kommt und mit ihrer Überintelligenz eine Autorität und Macht darstellt, der man sich gerne unterwirft? Von der man sicher ist, dass die Sinn stiften wird und den richtigen Ausweg finden kann; die uns vllt. sogar ein ewiges Leben bescheren kann — ein Paradies auf Erden?

    Nur so eine kleine Spinnerei~ ich finde den Gedanken sehr interessant und die Parallelen erstaunlich.

    Ach ja: Die Southpark-Folgen sprechen in ihrer Handlung noch eine ganz andere Thematik an, die nur indirekt mit meiner obigen Idee zu tun hat:
    Es herrscht Krieg in der Zukunft —
    und das obwohl alle Religionen fort sind.
    Drei Atheistenvereinigungen fanden andere Antworten auf die Große Frage und bekämpfen die anderen solange, bis sie ihre einzig richtige Wahrheit durchgesetzt haben.
    Die “Unified Atheist League”, die “Unified Atheist Allianace” und die “Allied Atheist Alliance” streiten sich um die Frage wie sich Atheisten denn nun nennen sollen :)

    Kurzer Ausschnitt:
    AAA: Then accept our answer to the Great Question, and we will withdraw.
    UAA: Your answer to the Great Question is illogical!
    UAL: Unified Atheist League is the most logical name.
    UAA: Unified Atheist Allianace makes more sense.
    AAA: No! Allied Atheist Alliance! That way it has three A’s! That is the logical choice!
    UAL: So be it. We cannot agree; prepare to die.

  27. @Willi:

    Zitat: Genau so unwichtig wird es sein, sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Lichtgeschwindigkeit ein wenig schwankt in einem Bereich von meinetwegen 10 hoch -40 m/s.
    Zitat: Einstein hat es dann halt ein klein wenig genauer gemacht.

    Siehst du, genau da hapert es an Vorstellungsvermögen (mir persönlich auch). Durch dieses “klein wenig genauer machen” wurde dem Menschen der Zugang zur Kernenergie gegeben, mit all seinen positiven und negativen Auswirkungen. Wie kannst du behaupten, das hätte ja an sich nicht viel am Weltbild verändert?

    Zitat: Und diese Grenzen werden sich nicht mehr entscheidend verschieben.

    Da kann ich nur widersprechen! Immer wieder gibt es die in deinen Augen “kleinen Korrekturen im Weltbild”, die aber ganz massive Auswirkungen auf uns haben werden! Was ist z.B. mit dem heute zwar noch nicht realisierten, aber in der Theorie akzeptierten Modell eines Quantencomputers? Eine kleine “Korrektur” sorgt plötzlich dafür, daß jedwede “sichtbare” Verschlüsselung von Daten nutzlos ist (Nagel mich nicht auf irgendwelche Details fest, ich habs mal irgendwo auf Telepolis gelesen ;-) )!
    Oder stelle dir mal vor, du könntest jemanden aus den 50er Jahren
    in unsere Zeit holen. Was meinst du, was der für Bauklötze staunen würde, wenn du ihm Wikipedia oder Google zeigst… Viele kleine Korrekturen, die an der Entwicklung der heutigen Informationstechnologie beteiligt waren, führen zu einer starken Veränderung unseres Lebens. Hat das irgendwer vorausgesehen? Meinte nicht ein Manager von IBM in den 50ern, daß auf der Erde maximal Bedarf für vielleicht 30 Rechner bestünde?

    Was Raumschiffe angeht: Da gibt es ja genügend Fantasie, daß ich mir gar nicht erst was aus den Fingern saugen muss. Wenn ichs richtig in Erinnerung habe: In Startrek werden die Raumschiffe durch Krümmung des vor dem Schiff liegenden Raumes bewegt, sodaß die Lichtgeschwindigkeit nie überschritten wird, und trotzdem effektiv eine schnellere Fortbewegung möglich ist…

    Zitat:
    Dieser Vision sind jedoch Grenzen gesetzt, welche durch die Formel E=mc² vorgegeben werden. Und dass sich an der Erkenntnis von E=mc² noch Entscheidendes ändern wird, halte ich genauso für unwahrscheinlich, wie dass man für Pi eines Tages wieder König Salomons Wert einsetzt.

    Ich glaube, dasselbe hättest du in der Vor-RT-Ära über Newtons Theorien gesagt. Letzten Endes mussten sie doch revidiert werden. Du hast mir noch immer nicht gesagt, wieso du der Meinung bist, daß E=mc² für alle Zeiten korrekt sein muss. Einstein war brilliant, ohne Zweifel, aber er hätte sicher nie behauptet, irgendetwas wäre als hundertprozentig richtig anzusehen, für alle Zeiten.

    Was hälst du denn von Karl Poppers Aussagen bezgl. Falsifizierbarkeit? Gelten die nicht für die RT? ;-)

    @Zephyr:

    Du hast recht, viele Leute sehen in der Singularität ein quasi-religiöses Ereignis. Vielleicht auch gerade, weil es sich eben um “Science Fiction”, und nicht um Mystik handelt. Sie kommt ohne wilde Schöpfungsideen daher, fusst stattdessen auf den bisherigen Erkenntnissen und Entwicklungen. Man hat bisher eine exponentielle Entwicklung der technologischen Fähigkeiten der Menschheit erlebt, und schlussfolgert daraus, daß es so weitergehen könnte.

    Viele Grüsse,

    Andreas

  28. Anmerkung: Kommentare, die von “Andreas” verfasst wurden, sind nur dann von mir, wenn der Name auf aiplayground.org verlinkt. Was den Artikel angeht bin ich mir nicht sicher, wie sehr ich dem, was ich vor vier Jahren geschrieben habe, noch zustimme.

  29. @Andreas (Site-Owner): Stimmt, hätte ich am besten immer dazuschreiben sollen, daß ich ein “anderer” bin.

    Was ist denn heute deine Meinung? Das wäre doch mal interessant! Was hat sich in deinem Weltbild getan? ;-)

    Viele Grüsse,

    (Ein anderer) Andreas

  30. Ich glaube, man kann hier von 3 Paketen sprechen. Das große, allumfassende Paket sei dasjenige, was die Naturgesetze symbolisieren soll, jene Gesetze, also die den Fortschritt eines Tages begrenzen werden.
    In diesem Paket befindet sich ein kleineres Paket. Das sind jene Grenzen, welche die Naturwissenschaft bis jetzt erkannt hat. Und ich persönlich glaube, dass dieses Paket sich schon fast bis an die Grenzen des äußeren Paketes ausgedehnt hat. Andere glauben das nicht, na ja, das ist vielleicht wirklich nur eine Glaubensfrage.
    Ohne jede Frage steckt aber innen drin noch ein letztes winziges Paket, was sich in Zukunft noch gewaltig ausdehnen wird, ehe es seine Grenzen erreicht hat. Und in diesem letzten Punkt sind wir uns wohl alle einig.
    Ihr braucht euch doch nur den rechten Rand von meiner Glockenkurve anzuschauen. Zwar wird sich keiner von uns meine fußballspielenden, superintelligenten Roboter vorstellen können, vor allem dann nicht, wenn man mal bei so einem Robocup zugeschaut hat. Solche Roboter widersprechen allerdings nicht grundsätzlich den Naturgesetzen und so hab ich sie halt in meine Zukunftsvisionen mit eingebaut, überlichtschnelle Raumschiffe dagegen schon.

    @ (den anderen) Andreas (vielleicht solltest du dich Andi nennen) An Startrekvisionen wie Wurmlöcher und Ähnliches glaube ich nicht, aber das sind vielleicht wirklich nur Glaubensdogmen, über die wir uns nicht streiten müssen.

    @ Zephir Übrigens, “Science be praised” werden wir zumindest hier bei uns in Bayern niemals sagen, denn auch bayerische Atheisten sagen „Grüß Gott“ zueinander, wobei wir allerdings nicht ein höchstes Wesen meinen, sondern mehr unser Gegenüber.

    Das mit den Southpark-Folgen, wo es um Zukunft und Religion geht find ich auch sehr interessant. Zum Schreien komisch fand ich es auch, als unser bayerischer Papst mal einen Gastauftritt bei Southpark hatte. Vielleicht kannst du uns ja informieren, wenn mal wieder so was Ähnliches kommt.

    Tja, Italien mag Fußballweltmeister sein, aber wir sind Papst!

  31. @Willi:

    Zitat: (vielleicht solltest du dich Andi nennen)

    Guter Tipp, danke. ;-)

    Zitat: An Startrekvisionen wie Wurmlöcher und Ähnliches glaube ich nicht…

    Na hoffentlich, ich auch nicht. Aber es sind eben diese “Wie könnte die eine oder andere Grenze in Zukunft vielleicht umgangen werden”-Szenarien, die dort durchgespielt werden; Dass sie weit hergeholt erscheinen, spielt da ja keine Rolle . Das war nur ein Beispiel für das Argument der “nicht in Stein-gemeisselten Gesetze”.

    Viele Grüsse

    Andi

  32. @Andi

    Zitat:
    Was hälst du denn von Karl Poppers Aussagen bezgl. Falsifizierbarkeit? Gelten die nicht für die RT? ;-)

    Von Falsifizierbarkeit halte ich ganz viel. Genau deswegen bin ich auch so von der RT überzeugt. Und niemand hat diese Theorie in den letzten 100 Jahren falsifizieren können, also muss doch was dran sein. Und durch KI werden wir vielleicht noch raffiniertere Falsifikationsmöglichkeiten bekommen.

    Ein anderer Grund, warum ich so davon überzeugt bin ist der: Du kannst beispielsweise E=mc² über reine Gedankenexperimente nachweisen und du musst noch nicht mal ein Mathegenie sein. Die 3 binomischen Formeln und die Kenntnis von Quadratwurzeln reichen da vollständig. Auch meine eigenen mathematischen Kenntnisse reichen da nicht viel weiter.

    Der 2.Teil von meiner Website ist ja dadurch entstanden, dass ich selbstständig versucht habe, eine Brücke zu schlagen von der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit zu E=mc². Und bei den Ableitungen habe ich es ganz bewusst unterlassen, irgendwo nachzuschlagen. Und ich bin trotzdem auf das Resultat E=mc² gekommen. Ist ja auch kein Wunder, jeder intelligente Ausserirdische würde unabhängig von uns auf dasselbe Ergebnis kommen. Und ganz egal, wohin man im Weltall auch schaut, alle Sterne gewinnen ihre Energie dadurch, dass sie Wasserstoff zu Helium verwandeln und dabei ein Hundertstel der Masse in Energie umwandeln, die „verlorene“ Masse also quasi 2-mal mit der Lichtgeschwindigkeit multiplizieren.

    Wenn du mal meine Website aufrufst, den Suchdialog her holst (z.B. mit Strg-F) und „alle anderen Einheiten“ eingibst, kommst du auf eine kleine Tabelle, welche diesen Zusammenhang veranschaulicht. Etwas weiter unten dann kommt eine Kurve, welche den Massenzuwachs bei beschleunigten Objekten zeigt. Die Masse steigt also ins Unendliche, bevor du die Lichtgeschwindigkeit je erreichst. Ach ja, und dann kommt noch ein Foto von einer äußerst faszinierenden Frau. Könnt ihr euch vorstellen, wie man so was zum Untermenschen degradieren konnte?

  33. @Willi:

    Ich habe das Gefühl, daß wir uns im Kreise drehen…

    Zitat:
    “Von Falsifizierbarkeit halte ich ganz viel. Genau deswegen bin ich auch so von der RT überzeugt. Und niemand hat diese Theorie in den letzten 100 Jahren falsifizieren können, also muss doch was dran sein.”

    Es war doch mit Newton genauso.

    Zitat:
    “Du kannst beispielsweise E=mc² über reine Gedankenexperimente nachweisen und du musst noch nicht mal ein Mathegenie sein.”

    Das stimmt so nicht. Das Gedankenexperiment, das du meinst (und ich habe es übrigens auch in der Schule durchgekaut, mit den Schlussfolgerungen zur Zeitdilatation, Massezunahme etc. ), beruht auf einer Theorie, die durch empirische Untersuchungen gestützt wird: “Die Lichtgeschwindigkeit ist unabhängig vom Inertialsystem konstant”.

    Genau aber diese Schlussfolgerung / Induktion, daß nach n Beobachtungen dasselbe Resultat auch für bei der n 1ten Beobachtung zu erwarten ist, ist laut Popper nicht zulässig.

    Vielleicht mal ein blöder Vergleich:
    Gegeben sei eine Folge : M,D,M,D.
    Was ist als nächstes Element erwarten? Die Logik spricht für ein M, anscheinend wiederholt sich ja M,D immer wieder.
    Es kann aber genauso gut plötzlich mit F,S,S,M,D,M,D,F,S,S weitergehen. Ja, Wochentage sind ja was feines. ;-)

    Genau daher kann eine Theorie eben laut Popper niemals bewiesen werden, sie kann sich nur gegen bewähren, in dem einfach keine Beobachtungen gemacht werden, die die Theorie falsifizieren.

    Viele Grüsse,

    Andi

  34. @Andi

    Also wie gesagt, wenn man E=mc² 1905 schon ohne Realexperimente, sondern nur durch reinste Gedankenexperimente ermitteln konnte, und dann im Jahre 1945 allerbrutalste Realexperimente in Hiroshima und Nagasaki folgten, die diese Formel dann in drastischer Weise bestätigten…
    Okay du und Popper, ihr habt vielleicht recht

    Zitat:
    Genau daher kann eine Theorie eben laut Popper niemals bewiesen werden, sie kann sich nur gegen bewähren, in dem einfach keine Beobachtungen gemacht werden, die die Theorie falsifizieren.

    Das Universum wird meinetwegen noch 10Milliarden Jahre lang intelligentes Leben erlauben. Und immer wieder werden Terraner, Klingonen, Romulaner und ganz egal wie wir sie auch nennen mögen, immer wieder werden sie versuchen schneller zu reisen als das Licht. Es wird ihnen in diesen 10Milliarden Jahren nicht gelingen. Na gut, das beweist natürlich nicht, dass es nicht vielleicht doch möglich wäre. Vielleicht waren Terraner, Klingonen und Romulaner einfach nur zu blöd dazu.

    Also ich schalt jetzt mal ganz bewusst meinen Verstand auf Sparflamme und lass nur meinen Bauch zu Wort kommen. Du und Popper, ihr habt rein philosophisch gesprochen vielleicht recht, aber nicht real und wirklich. Die Philosophie kann ja meinetwegen behaupten, dass alles möglich sei und nichts bewiesen werden kann. Mein Bauch sagt mir, dass nach Weltraumlift und fussballspielenden Robotern (die für uns dann riesige Raumstationen bauen) nicht mehr allzu viel Neues kommen wird. Wirklich begründen kann ich meinen Glauben nicht, das geb ich zu. Vielleicht sollten wir ja so verfahren. (Dazu vorher meine Kurzgeschichte lesen)

    Wir schauen, dass wir im selben Moment vor Petrus stehen und wünschen uns das selbe Parallelluniversum im 25. Jahrhundert, dann werden wir ja sehen, ob unsere Umgebung sich immer noch so schnell wandelt wie im 21.jahrhundert.

    Und bevor wir uns ewig im Kreise drehen, was hältst du davon, wenn wir einer gewissen Doris Day das letzte Wort geben und zwar mit folgendem Zitat.

    Que sera, sera. What ever will be, will be. The future’s not our’s to see. Que sera, sera.

  35. Es war/ist kein reines Gedankenexperiment…- Ach egal.

    Beide Seiten klar dargestellt, was will man mehr. Ich denke, wir können´s so belassen.

    Volle Zustimmung von mir für die letzte Zeile. ;-)

    BTW: Hast du dir mal vorgestellt, was das Gedankenexperiment für Ergebnisse liefern würde, wenn die Uhr mit dem hin und her schiessenden Lichtstrahl drinnen nicht orthogonal zur Bewegungsrichtung ausgerichtet wäre, sondern parallel? Irgendwie meinte ich, daß es plötzlich dann für die verschiedenen Richtungen verschiedene Zeiten geben müsste:

    Wandert der Lichtstrahl mit dem Schiff, das ebenfalls LG hat, so müsste der Zeitfaktor im Innern des Schiffes 0t sein (schliesslich haben von einem “Ruhe”-System aus gesehen Lichtstrahl und Schiff denselben Vektor und dieselbe Geschwindigkeit, also wird der Lichtstrahl niemals den Bug des Schiffes erreichen, da aber der Lichtstrahl innerhalb des Schiffes natürlich nach der Theorie der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit sich trotzdem innerhalb des Schiffs bewegt, kann dort keine Zeit vergehen ).

    Wandert er dagegen in die Richtung, aus der das Schiff kam, müssten es 2t gegenüber dem beobachtenden System sein. Aus der Ruhe beobachtet, prallt der Lichtstrahl ja mit dem Heck des Schiffs zusammen, da das Schiff sich auch mit LG bewegt, muss die Zeit im innern des Schiffes doppelt so schnell vergehen, wenn die Konstanz der LG gelten soll…

    Aber unterschiedliche Zeiten für die verschiedenen Richtungen? Wo ist mein Denkfehler?

    Viele Grüsse,

    Andi

  36. @Andi
    Irgendwie ist mir nicht ganz klar, was du mit orthogonal ausgerichteten Uhren meinst.
    Und ich weiß nicht, ob ich deine Frage richtig verstanden habe, werde aber trotzdem versuchen, sie zu beantworten. Am besten geht das mit meinem Gedankenexperiment zur Lorentztransformation (die 2te Animation). Wenn du dort auf (t’ = 0) klickst, zu dem Zeitpunkt beginnt ein Photon auf dem oberen Lineal nach links zu wandern. Zum Zeitpunkt t’ = 1, soll es am Ort x’ = -1 wieder zurück gespiegelt werden und zum Zeitpunkt t’ = 2 wieder beim Ort x’ = 0 sein.

    Aus Sicht des unteren Lineals startete das Photon ebenfalls zum Zeitpunkt t = 0 am Ort x = 0. Gespiegelt wird es am Ort x = -0,333 zum Zeitpunkt t = 0,333. Die Rückkunft erfolgt am Ort x = 2,666 zum Zeitpunkt t = 3,333. Hin war es also eine Drittelsekunde unterwegs und zurück 3 Sekunden. Und das muss halt so sein, anderenfalls könnte ja die Lg nicht konstant sein.

    Tja, so wird das nichts mit der Falsifikation.

  37. “Tja, so wird das nichts mit der Falsifikation.”

    Vorsicht, sonst haue ich dir Popper wenigstens weitere 50 Male um die Ohren. :-)

    Wenn du jetzt denkst, ich wäre der Meinung, die RT selber falsifizieren zu können, dann habe ich mich irgendwie immer blöd ausgedrückt… Mir gings einfach immer nur darum, daß keine Theorie bewiesen werden kann. Punkt.

    Zu der Sache mit dem Gedankenexperiment:
    Phu, ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber gut.

    Was bei dir Queue und Billiard-Kugel sind, war bei mir ein Raumschiff mit einer “Uhr”. Diese “Uhr” tat nichs anderes, als einen Lichtstrahl die ganze Zeit hin und her zu spiegeln. Der Lichtstrahl wanderte vom Boden der Uhr bis zum oberen Spiegel und wieder hinunter. Es entspricht deiner Billiard-Kugel, die von einer Bande gegen die andere stösst.

    Wenn du nun das Raumschiff (und damit auch die Uhr) auf eine gewisse Geschwindigkeit bringst, bildet der Lichtstrahl innerhalb der Uhr zusammen mit dem Weg, das das Raumschiff zurücklegt und dem Weg zwischen oberen und unterem Spiegel der Uhr ein rechtwinkliges Dreieck, genau wie dein Billard&Queue-Beispiel. Mit diesem Dreieck lassen sich ja bekanntermassen die Formeln für Zeitdilatation etc. ableiten. Das war mit “orthogonal” gemeint.

    Was aber, wenn du von parallelen Bewegungen ausgehst, also diese Uhr nun im Raumschiff hinlegst, sodaß der Lichtstrahl parallel in Richtung der Bewegung des Raumschiffes hin und zurück springt?

    Viele Grüsse,

    Andi

  38. „Was aber, wenn du von parallelen Bewegungen ausgehst, also diese Uhr nun im Raumschiff hinlegst, sodaß der Lichtstrahl parallel in Richtung der Bewegung des Raumschiffes hin und zurück springt?“

    Hallo Andreas, hast du wirklich dir das richtige Gedankenexperiment ausgesucht? Das Zweite (neben Uhrenverschwörung und Lorentztransformation) baut doch direkt auf das Erste auf. Dieses müsste doch deine Frage perfekt beantworten. Das Dritte baut wiederum auf das Zweite auf und erklärt den relativen Massenzuwachs (zwei Männchen stoßen auf der Zugtoilette zusammen)

    Wenn du diese drei Gedankenexperimente verstehst, dann bist du schon kurz vor E=mc². Dann brauchst du dir nur mehr einen 1000-Tonnen Meteoriten (30 km/s) vorstellen, dessen
    1 000 000 000 Gramm durch den entsprechenden Wurzelfaktor teilen, was dann 1 000 000 005 Gramm ergibt. Vergleich diese 5 Gramm Zusatzmasse mit seiner kinetischen Energie. Et voila, das Quadrat der Lichtgeschwindigkeit passt dazwischen, wie die Faust auf’s Auge.

    Ja und weil alles so simpel ist, die Physikprofessoren es aber immer so umständlich erklären, dass es kein normaler Mensch mehr versteht und die Menschen dann auch noch wirklich glauben, es wäre kompliziert; ja deswegen sagt mir mein Bauch, dass wir es hier mit „in Stein gemeißelten Gesetzen“ zu tun haben, die keine KI umgehen kann.

    Mein Verstand kann allerdings mein Bauchgefühl nicht begründen.

    Ach ja, und die Newtonsche Physik wird immer noch in der Schule gelehrt, weil sie einfach eine saugute Annäherung an die Alltagswirklichkeit zu bieten hat. Glaubst du wirklich, dass Newton eines Tages ausgedient haben wird?

  39. Zitat:
    “Das Zweite (neben Uhrenverschwörung und Lorentztransformation) baut doch direkt auf das Erste auf.”

    Genau das ist mein Problem.
    Mit dem Gedankenexperiment wird gezeigt, daß die Zeitdilatation sich so für Bewegungen, die “orthogonal” zueinander stattfinden, ergibt. Wieso aber muss sich das dann für alle Bewegungen gleichermassen so ergeben?

    Anders herum gefragt: Wieso ist es mir nicht möglich, mit dem von mir aufgestellten Parallelexperiment auf dieselbe Formel zu kommen? Ergibt sich nicht dadurch plötzlich ein lineares Verhältnis für die Zeitdilatation? Wo sind meine Überlegungen falsch, daß sich für die eine Richtung des Lichtstrahls bei LG des Raumschiffs 0t, für die entgegengesetzte jedoch 2t ergeben müssen?

    Ich habe leider gerade nicht sehr viel Zeit, weil es nun erstmal eine Woche in Urlaub geht. Also nicht wundern, wenn es still wird.

    Viele Grüsse

    Andi

  40. Okay Andi, ich glaub ich ahne jetzt, wo es bei dir hakt. Nimm dir doch bitte mal die zweite Animation vor (Teil1, also t=0)
    Das untere Lineal sei die Erde und das obere Lineal das Raumschiff, welches sich nach rechts mit 80-prozentiger Lichtgeschwindigkeit bewegt. Klick nun so lange rechts oben, bis „t=3“ da steht. Dann zeigt die obere Nulluhr t’=1,8 an. Das ist nun genau der Wert, was unser orthogonales Experiment ergibt.
    Die gegenüberliegenden Uhren müssen also alle um den Wurzelfaktor (hier 0,6) verlangsamt ticken, allerdings zeitversetzt. Die äusserst rechte Uhr zeigt nun „t’=1“ an.
    Und diese zeitversetzt tickenden Uhren haben nun zur Folge, dass ein und das selbe Photon für die Erde 3 Einheiten in 3 Sekunden zurück legt und für einen Raumschiffbewohner 1 Einheit in 1 Sekunde.
    Die Ableitung der Lorentztransformation hab ich übrigens im Hauptteil beschrieben. Eine solche Form der Ableitung dürfte zwar in keinem Lehrbuch zu finden sein. Aber ich denk mal, sie ist allgemein verständlich und führt zum korrekten Ergebnis.

    Gruss von Willi

    Ach ja, um wenigstens proforma ein wenig beim Thema zu bleiben. Diese komischen, zeitversetzt tickenden Uhren verhindern auch ein Übertreten der Lichtgeschwindigkeit.

    Und Willi’s Bauch behauptet ganz frech: „Keine KI kann da was dran rütteln“

  41. @Herrb: Bin mal gespannt, wie das mit dem maximalen Wohlstand aussehen soll, wenn Du keinen Job hast? Haben wir dann, ob Job oder nicht, alle eine Grundsicherung, mit der auch der Arbeitslose wirklich menschenwürdig leben kann. Wird dieser Arbeitslose sozial dennoch anerkannt sein und Freund haben. Wir der seine Traumfrau auch als Arbeitsloser finden? Wird die Grundsicherung dann ausreichen, um auch noch 2 Kinder nicht nur notdürftig zu ernähren, sondern ihnen auch alle anderen Annehmlichkeiten des Lebens bieten zu können? Wird dieser Arbeitslose mit seiner Traumfrau abends in der Großstadt in Konzert oder Oper gehen können, gemessen an heutigen Eintrittspreisen? Wie wollen wir diese Welt erreichen. Von selber wird diese Welt wohl kaum entstehen!

  42. @Thomas

    Zitat:
    Haben wir dann, ob Job oder nicht, alle eine Grundsicherung…

    Eine Grundsicherung gab es übrigens schon im Römischen Reich, spätestens seit Julius Cäsar’s Zeiten. Denn durch dessen Eroberungen kamen so viele billige Arbeitssklaven ins Land, dass ein Grossteil der römischen Bürger einfach überflüssig wurde.
    Und was passiert, wenn sich KI tatsächlich in dem Maße durchsetzen sollte, wie manche das hier prognostizieren? Dann kann doch der arbeitende Mensch, so wie wir ihn heute noch kennen, in Zukunft nur ein Angehöriger einer winzigen Minderheit sein.
    Da seh ich in Zukunft durchaus eine 2-Klassengesellschaft auf uns zukommen, die aus wenigen privilelegierten, arbeitenden Menschen und der großen Masse der Grundempfänger besteht.

    Das ist mir persönlich allerdings immer noch lieber, wie die Feudalgesellschaft vor der ersten industriellen Revolution. Da hatten es nämlich die privilegierten Feudaldamen und Herren nicht nötig zu arbeiten, während die große Masse der leibeigenen Bauern hart arbeiten musste, nur um ihr eigenes Leben auch nur notdürftig zu erhalten und der Feudalgesellschaft ein Luxusleben zu ermöglichen.

    Eine „umgestülpte Feudalgesellschaft“ sehe ich also auf uns zukommen, mit privilegierten, arbeitenden Menschen und einer großen Masse von grundgesicherten Müßiggängern, die wir ja auch schon im römischen Imperium hatten.

  43. hoffentlich liest das noch jemand :)

    Nun , als aller erstes , ich bin kein experte und meine meinung beruht nicht auf fundiertem wissen sondern begründet sich auf der zusammenfassung anderer meinungen die ich bis jetzt aufgenommen habe.

    Ich müsste leider ein leben lang studieren um eine halbwegs fundierte meinung zu dem thema abgeben zu können.

    Mal kurz was zu PI.
    Es ist keineswegs irrelevant wie genau wir Pi berechnen können und es ist völlig falsch das uns ein gerundeter wert ja eigentlich völlig ausreicht. Man möge sich nur einmal die Möglichkeiten vorstellen wenn wir in der Lage wären eine perfekte Kugel herzustellen. Zugegebener massen würde dann erstmal die fertigungstechnik an ihre grenzen stossen.

    Desweiteren wissen wir das Einstein mit einigen Annahmen falsch lag. Z.b. zeigt uns die moderne quantenmechhanik das es teilchen geben muss die sich schneller bewegen als das licht , oder genauer gesagt , es ist offensichtlich möglich , Informationen mit einer grösseren geschindigkeit als der des lichtes zu übertragen. ( siehe Quantenverschränkung). Ich weiss net genau wo aber ich glaub im CERN hat man auch schon teilchen gemessen die schneller waren als lichtteilchen (bzw. wellen).
    Was die genauigkeit einer konstante oder PI angeht mag diese allein keinen entscheidenden einfluss auf das gegebene system darstellen aber wird die konstante mehrfach , (eventuell mehre millionen mal in einer formel) angewandt dann wird das ergibniss durch eine rundung eventuell exponentiell beeinflusst.
    In der mathematik wird dies ja auch schon in betracht gezogen durch den limes-kram aber das hat zur folge das man auch auf kein exaktes ergebniss kommt sondern nur sagen kann das das ergebnis gewisse grenzen auf keinen fall überschreitet bzw. sich einem unentlich kleinen oder grossen wert annähert.Benutzt man dieses Ergebnis für weitere Berechnungen so tritt der selbe effekt ein.Währe die genaue Zahl PI nicht von solch einer bedeutung gäbe es nicht so viele wissenschaftler die sich damit beschäftigen.

    Zur Frage der technologischen Singularität wäre zu sagen das wir auf jeden Fall sehr viel mehr in diese richtung forschen sollten.
    Egal wie das ergebniss für uns aussieht , wird werden früher oder später sowieso dort hin gelangen. Wir können diese entwicklung nur verzögern , aber nicht aufhalten. Dies ist begründet in der Allgemeinen Neugier des meschen. Und meiner Meinung nach ist es besser so früh wie möglich bescheid zu wissen wo unser weg hinführt. Es ist uns vorbestimmt evolutionäre schritte immer schneller zu absolvieren. Es gehört ganz einfach zum Plan.
    Es ist doch durch aus bemerkenswert das wir uns jetzt schon über die Folgen einer solchen entwicklung gedanken machen und diese gedanken offensichtlich nicht nur der wissenschaftlichen elite vorenthalten sind.
    Desweiteren glaube ich nicht das es in naher zukunft möglich ist eine höhere intelligenz als die unsrige hervorzuzaubern. Denn unsere Intelligenz besteht nicht nur darin wieviele Terraflops unser gehirn verarbeiten kann.Im laufe der Evolution haben wir uns sehr beeindruckende fähigkeiten angeeignet wie zum beispiel die soziale intelligenz oder die intuition , den Mutterinstinkt und Überlebenswillen. Wir basieren nicht nur auf Logik was einer unserer grössten stärken aber auch eine unserer grössten schwächen ist.
    Ich bin gespannt wie man einer KI beibringen möchte im richtigen moment an einer gabelung nicht den logischen sondern den intuitiv richtigen weg gehen zu lassen , wie man ihr mitgefühl und Einfühlungsvermögen vermitteln will. Wie möchte man einer Maschine jahrtausende erfahrungswerte vermitteln.
    Natürlich ist es möglich das diese Eigenschaften sich ebensoleicht berechnen lassen aber dazu fehlen mir die einblicke in den aktuellen stand der neurowissenschaften um zu beurteilen wie nah wir diesen lösungen schon sind.

    Natürlich können wir zu dem Schluss kommen das es zu riskant ist unsere spezies derart leichtfertig aufs spiel zu setzen aber die Angst vor neuen dingen war noch nie ein guter Berater.
    Und wie schon erwähnt , Verbote in solche richtungen zu forschen oder zu denken werden währen meines erachtens wirkungslos weil undurchsetzbar und würden höchstens das unausweichliche verzögern. (siehe gentechnik)
    wie der author des textes schon sagte , ein verantwortungsvoller umgang und eine breit gefächerte vernünftige diskussion und das ausschliessen von übereifrigen alleingängen ist sehr ellementar für die zukunft der menschheit.

  44. @Walli

    Zitat: …vorstellen wenn wir in der Lage wären eine perfekte Kugel…

    Wenn du die perfekte Kugel haben willst, nutzt dir ein übergenaues Pi gar nichts. Das liegt mitunter auch an der Planck-Länge (ca. 10 hoch -35 Meter). Eine genauere Längenmessung lässt die Natur nämlich gar nicht zu.

    Zitat:
    …teilchen geben muss die sich schneller bewegen als das licht , oder genauer gesagt , es ist offensichtlich möglich , Informationen mit einer grösseren geschindigkeit als der des lichtes zu übertragen…

    Das kann ja auch sein, aber deswegen hat sich Einstein nicht geirrt. Der hat ja nur behauptet, dass sich Massen nicht auf Überlichtgeschwindigkeit bringen lassen. Und wenn bei der Quantenkryptografie keine Massen, sondern nur Zustände mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden, so widerspricht dies keineswegs der speziellen Relativitätstheorie.

    Und ich bleibe dabei. Weil wir einen Körper und somit auch Masse besitzen, kann uns keine KI auf Überlichtgeschwindigkeit bringen, weder tot noch lebendig.

    Zitat:
    Desweiteren glaube ich nicht das es in naher zukunft möglich ist eine höhere intelligenz als die unsrige hervorzuzaubern

    Vorstellen kann ich es mir zwar auch noch nicht, genauso wenig wie ich mir vor 20 Jahren vorstellen konnte, einst ein Telefon in der Hosentasche zu tragen. Aber da lief gerade erst gestern eine interessante Fernsehsendung über KI auf ARTE. Und da meinte doch so ein schlauer Wissenschaftler glatt, in 20 Jahren würden wir Quantencomputer haben, deren Leistungsfähigkeit wir mit heutigen Mitteln noch gar nicht erreichen könnten, selbst wenn wir einen Computer bauten, so groß wie das ganze Universum.

    Sollte dieser Wissenschaftler Recht haben, dann können wir uns noch auf einige Überraschungen gefasst machen. Und trotzdem glaube ich: Keine KI kann bestehende Naturgesetze außer Kraft setzen.

    Aber glaube mir. Die Vision, den Rahmen der bestehenden Naturgesetze vollkommen auszuschöpfen, ist schon so schwindelerregend genug, dass sich Keiner von uns davon auch nur annähernd einen leisen Windhauch einer Vorstellung bilden kann.

  45. […] “Wenn Sie sich nicht nahezu sicher sind, dass eine Singularität dem Reich der Träume angehört, bleibt nur eine rationale Handlungsweise: Zum positiven Ausgang der Singularität beizutragen.”//aiplayground […]

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