Beschleunigte Zeiten

Wir wissen wenig über unsere Welt, und das, was wir wissen, ist so seltsam, dass wir es meistens ignorieren. Es gibt keine objektive Zeit; für manche Beobachter geschieht A vor B, für andere B vor A. Wir können nicht feststellen, ob wir in einer Simulation leben. Wir wissen nicht, ob bewusste Beobachter sterben können, und welche Rolle sie in der Physik überhaupt spielen. Wir können nur raten, warum in diesem Universum außer uns niemand zu sehen ist.

Wir wissen wenig über die Zukunft unserer Welt, und das, was uns die Vergangenheit verrät, ist so schwindelerregend, dass wir lieber Konstanz prognostizieren. Ich bin 21 Jahre alt — als ich geboren wurde, gab es kein World Wide Web. Den Großteil meiner Schulzeit über gab es dieses eine Projekt nicht, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, jedem Menschen kostenlosen Zugang zum Wissen der Menschheit zu bieten. Als der Vater meiner Freundin geboren wurde, hatte Alan Turing noch nicht beschrieben, was Algorithmen sind. Vor nicht einmal einem Menschenleben gab es keine Computer. Ein halbes Menschenleben weiter und es gab keine Elektrizitätsversorgung. Zwei Menschenleben zuvor keine Dampfmaschinen. Drei Menschenleben weiter und wir sind im Mittelalter.

Eine Generation vor uns brauchte es tagelanges Recherchieren in Bibliotheken, um herauszufinden, ob die Menschheit die Antwort auf eine Frage hat. Heute genügen 10 Sekunden, um die Antwort auf fast jede Frage zu finden, die die Menschheit je beantwortet hat. Ein oder zwei Generationen nach uns genügen 10 Sekunden, um die Antwort auf fast jede Frage zu finden, die je beantwortet werden kann.

Wir verändern alles und merken es nicht. Blind vorwärts ging lange gut.

Abre los ojos

Abre los Ojos

Der Film Abre los ojos (Open your eyes) ist sehenswert. Zwischen Psychothriller, Liebesfilm und Science Fiction liegend, erzählt er die Geschichte von César, der die Liebe seines Lebens findet und kurz darauf in einen Unfall verwickelt wird, der sein Gesicht völlig entstellt. Die Ärzte finden eine Möglichkeit, sein Gesicht zu retten. Vielleicht träumt er das auch nur. César lebt zwischen Traum, Wirklichkeit und Wahnsinn und weiß bald nicht mehr, was er glauben kann. Mehr als das sollte man nicht wissen, bevor man sich den Film ansieht. Abre los ojos ist kein schneller Film. Leicht transhumanistisch, besonders zum Ende hin.

Denkwürdiges VII

“Gramma was 77-years old, which is still young in my opinion. I think it’s wonderful that she lived a reasonably long and full life, but her death still seems like such a waste. A lot of rationalizing goes on during times like these; we are socialized to feel less saddened by the death of an elderly person than, say, the death of a child. This kind of thinking disguises the fact that every death is a terrible tragedy.

And then there’s that whole aging process. Aging doesn’t just kill us, it kills us horribly. Sitting next to my mother-in-law in the hospital I was outraged — outraged at all those who feel we shouldn’t interfere with the aging process; outraged at all those who obstruct research into life extending medical technologies; outraged at all those who are blind to horrors of aging.” — George Dvorsky

Optimale Vorhersagen

Wenn es allgemeine Methoden gibt, um ausgehend von vergangenen Ereignissen Vorhersagen zu treffen, und wenn man Vorhersagemethoden nach ihrem Erfolg bewerten kann, so gibt es eine Methode für Vorhersagen, die besser ist als jede andere. Das Ergebnis von Vorhersagen nach dieser Methode stimmt im Durchschnitt besser mit der Realität überein als das jeder anderen Methode — egal, ob Naturkatastrophen, Bevölkerungszahlen oder Aktienwerte vorhergesagt werden.

Solomonoffs Theorie der universellen Induktion ist diese Methode. Man könnte das Problem der optimalen Vorhersage damit als gelöst betrachten — wäre Solomonoffs Theorie nur berechenbar. Ein Algorithmus, der unter beschränkten Ressourcen — wozu auch die algorithmische Komplexität zählen kann — Vorhersagen trifft, die beweisbar besser sind als die jedes anderen denkbaren Algorithmus, ist noch nicht gefunden. Das sollte das zentrale Anliegen des Gebietes der künstlichen Intelligenz sein.

Induktive Wissenschaften wie die Physik, die Chemie oder die Astronomie machen nichts anderes, als Daten zu sammeln und anhand der Daten elegante Theorien zu finden, mit denen sich die Zukunft möglichst exakt vorhersagen lässt.

Es ist sinnvoller, das Problem der Induktion direkt zu lösen.

Und es wurde Licht.

Es braucht etwa 100 Zeilen Python-Code, um die Geschichte aller möglichen berechenbaren Universen zu berechnen. 100 Zeilen, um alles zu berechnen, was je berechnet werden kann. Die Physik unseres Universums ist möglicherweise berechenbar.

PYTHON:
  1. I, L, R, S = 0, 1, 2, 3
  2. ENCODING = [
  3. #   ("111110", ","),
  4.     ("11110" , "S"),
  5.     ("1110"  , "L"),
  6.     ("110"   , "R"),
  7.     ("10"    , "1"),
  8. #   ("0"     , "0"),
  9. ]
  10.  
  11. def to_binary(n):
  12.     return n == 0 and "0" or to_binary(n>>1).lstrip("0") + str(n&1)
  13.  
  14. def to_decimal(x):
  15.     return sum([(int(n) and 2**pos or 0) for (pos, n) in enumerate(x[::-1])])
  16.  
  17.  
  18. class HashableIntegerList(list):
  19.    
  20.     def __init__(self, sequence):
  21.         list.__init__(self, [int(b) for b in sequence])
  22.    
  23.     def __str__(self):
  24.         return "".join([str(n) for n in self])
  25.    
  26.     def __hash__(self):
  27.         return self.__str__().__hash__()
  28.  
  29.  
  30. class TuringMachine:
  31.    
  32.     def __init__(self, rules, tape):
  33.         self.tape    = HashableIntegerList(tape)
  34.         self.state   = HashableIntegerList("0")
  35.         self.rules   = rules
  36.         self.stopped = False
  37.         self.invalid = False
  38.         self.pos     = 0
  39.  
  40.     def move(self, direction):
  41.         if direction == S:
  42.             self.stopped = True
  43.         elif direction == L:
  44.             if self.pos == 0:
  45.                 self.tape.insert(0, 0)
  46.             else:
  47.                 self.pos -= 1
  48.         elif direction == R:
  49.             if self.pos == len(self.tape)-1:
  50.                 self.tape.append(0)
  51.             self.pos += 1
  52.  
  53.     def step(self):
  54.         try:
  55.             self.state, self.tape[self.pos], dir = self.rules[(self.state, self.tape[self.pos])]
  56.         except KeyError:
  57.             self.invalid = True
  58.         else:
  59.             self.move(dir)
  60.  
  61.     def run(self):
  62.         while not self.stopped and not self.invalid:
  63.             self.step()
  64.  
  65.  
  66. class UniversalTuringMachine(TuringMachine):
  67.    
  68.     def __init__(self, tape):
  69.         if tape.count("111110") != 1: self.invalid = True; return
  70.         binary_machine_no, data_tape = tape.split("111110")
  71.         rules = self.get_rules(binary_machine_no)
  72.         TuringMachine.__init__(self, rules, data_tape)
  73.    
  74.     def get_rules(self, binary_machine_no):
  75.         binary_rules = "110%s110" % binary_machine_no
  76.         for (k, v) in ENCODING:
  77.             binary_rules = binary_rules.replace(k, v)
  78.         rules = {}
  79.         cur_rule_num = 0
  80.         tape_state = 0
  81.         cur_rule_parts = []
  82.         for bin in binary_rules:
  83.             if bin in "LRS":
  84.                 rule = "".join(cur_rule_parts)
  85.                 if rule == "":  rule = "00"
  86.                 if rule == "1": rule = "01"
  87.                 int_state = HashableIntegerList(to_binary(cur_rule_num))
  88.                 rules[(int_state, tape_state)] = (HashableIntegerList(rule[:-1]), int(rule[-1:]), eval(bin))
  89.                 cur_rule_parts = []
  90.                 if   tape_state == 0: tape_state = 1
  91.                 elif tape_state == 1: tape_state = 0; cur_rule_num += 1
  92.             else:
  93.                 cur_rule_parts.append(bin)
  94.         return rules
  95.  
  96.  
  97. def universal_dovetailer():
  98.     machines = []
  99.     num_steps = 0
  100.     while True:
  101.         for machine in machines:
  102.             if machine.invalid or machine.stopped:
  103.                 machines.remove(machine)
  104.             else:
  105.                 machine.step()
  106.         new_machine = UniversalTuringMachine(to_binary(num_steps) + "1")
  107.         machines.append(new_machine)
  108.         num_steps += 1
  109.  
  110.  
  111. if __name__ == "__main__":
  112.     universal_dovetailer()

Was, wenn sich erweist, dass die am besten mit der Realität übereinstimmenden physikalischen Theorien die sind, die berechenbar sind? Wir können simulieren, wie Billardkugeln zusammenstoßen und welche sich wohin bewegt. Ein simulierter Zusammenstoß ist kein echter Zusammenstoß. Für uns. Für ein simuliertes Wesen? Führt die Simulation eines bewussten physikalischen Systems zu Bewusstsein?

Die Individualität einer Person ist vom Muster des Zusammenspiels der Materie abhängig, nicht von der Materie selbst. Die Atome jeder Zelle werden nach der Geburt eines Menschen viele Male ausgetauscht. Quantenphysikalisch gesehen sind zwei Teilchen einer Art sowieso nicht nur nicht unterscheidbar, sondern identisch. Wenn alle Protonen eines Körpers durch "andere" Protonen ersetzt werden, so hat das den Zustand nicht verändert. Teilchen haben keine Identität.

Wenn die Physik unseres Universums berechenbar ist oder es keinen subjektiven Unterschied zwischen Bewusstsein und der Simulation von Bewusstsein gibt, so resultiert die Ausführung eines solchen Programms (ein "Universal Dovetailer") in allen bewussten Erfahrungen, die je ein Wesen haben kann. Unabhängig davon, wie man "Wesen" oder "bewusste Erfahrung" definiert.

Aber: Ist die Erfahrung von Bewusstsein auch unabhängig davon, ob bei der Ausführung des Programms, die — wie die Ausführung jedes Programms — in diskreten Schritten abläuft, ein Rechenschritt pro Nanosekunde oder ein Rechenschritt pro Jahr ausgeführt wird? Auch dann, wenn während des Jahres der Computer, auf dem das Programm ausgeführt wird, ausgetauscht und nach Tokio verfrachtet wird? Auch dann, wenn das Ergebnis des Rechenschritts ein Jahr später nicht direkt berechnet wird, sondern bei der Berechnung aller Permutationen der Sequenz von 0en und 1en auftaucht, die die Länge des erwarteten Rechenergebnisses hat?

Stathis Papaiaonnou schreibt an die Singularity-Mailingliste:

If you look at it the right way, anything could be a computation. This has been given by John Searle as a reductio ad absurdum against computationalism, and explored by several other authors (eg. Hilary Putnam, David Chalmers, Greg Egan). The usual counterargument is that in order to map a computation onto an arbitrary physical process, the mapping function must contain the computation already, but this is only significant for an external observer. The inhabitants of a virtual environment will not suddenly cease being conscious if all the manuals showing how an external observer might interpret what is going on in the computation are lost; it matters only that there is some such possible interpretation. Moreover, it is possible to map many computations to the one physical process. In the limiting case, a single state, perhaps the null state, can be mapped onto all computations.

Welche Art von Kontinuität ist für bewusste Erfahrungen nötig?

Cognitive Science in Osnabrück

Was ich gerne vor Beginn meines Studiums in Osnabrück gewusst hätte.

Unter anderem: Wie das erste Semester aussieht. Was man in den einzelnen Fächern lernt. Wer das Studium nach zwei Semestern abbrechen wird. Wie die Bachelor-Note zustande kommt. Was Cognitive-Science-Studenten nach dem Studium machen. Bonus: Zusammenfassungen der Vorlesungen, Mitschriften und Beispielaufgaben.

Lies weiter und du erfährst, ob du Cognitive Science studieren willst und wie du das erste Semester überstehst. Weiterlesen »

Darum.

Ich schaue in den sternenschwarzen Himmel und sehne mich nach mehr. Mit dem Nachtwind ein Hauch des Möglichen, vibrierendes Leben statt Leere. Jahrmillionen statt ein Jahrhundert. Nebenan schreit ein Kind. Wir werden geboren, blinzeln, heben den Kopf und noch bevor uns klar wird, was wir da gesehen haben, ist es vorbei. Manchmal Spuren einer Ahnung von dem, was hätte sein können. Es hat wieder nicht gereicht.

Kollektiver Wahnsinn. Sollen in 200 Jahren noch immer Menschen gegen ihren Willen sterben? 10,000 Generationen haben wir für immer verloren. Hunderttausend Millionen mal der Geschmack von Leben, Augenblicke lang Licht, dann nichts. Hunderttausend Millionen mal: Ich liebe dich. Der Abgrund in Sichtweite, stetig näher kommend. "Für immer" sind 50 Jahre.

Verdammt, tut endlich was.

Eure Apathie macht mir Angst. Im 16. Jahrhundert geboren zu werden und zu realisieren, dass keine Hoffnung auf mehr besteht, keine Hoffnung darauf, die Daseinsgrenzen zu verschieben, wäre Grund zur Verzweiflung. Wir leben im 21. Jahrhundert. Morgendämmerung berührt den Horizont der Menschheitsgeschichte und ihr haltet euch die Augen zu und begeht Selbstmord.

Hier stehen wir, mit unseren Eitelkeiten und Dummheiten, mit unserer Sehnsucht und Liebe, und wir ahnen. Frühstücken, ein paar Dinge erledigen, schnell, Schlagzeilen, Schlaf, weiter. Hauptsache weiter. Die, die noch nicht betäubt sind, ahnen manchmal, dass es so viel anders sein könnte. Dass die Momente der Klarheit, des Wunsches nach Ewigkeit, nicht Minuten später Vergangenheit sein müssten.

Aber auch das wird vorbei gehen, wenn wir es nur fest genug ignorieren.

Rekursive Optimierungsprozesse

Angenommen, das zunehmende Verständnis des Phänomens Intelligenz erlaubt es uns, einen Prozess zu erstellen, der eine gewisse Grundintelligenz besitzt und dem Ziele vorgegeben werden können. Wir geben diesem Prozess die Möglichkeit, seine eigene Leistungsfähigkeit durch Selbstmodifikationen zu verbessern und ein Ziel, das weit jenseits des mit menschlicher Intelligenz Erreichbaren liegt. Und warten. Und dann? Weiterlesen »

Allgemeine künstliche Intelligenz

Das Gebiet der künstlichen Intelligenz ist bislang nicht weit über Schachcomputer und Suchmaschinen hinausgekommen. Es gibt Anzeichen dafür, dass wir in diesem Jahrhundert die Schwelle an Verständnis und verfügbarer Technik überschreiten werden, die es uns ermöglicht, das Phänomen Intelligenz technologisch nachzubilden. Ist allgemeine künstliche Intelligenz möglich? Wenn ja, auch wünschenswert? Weiterlesen »

Denkwürdiges VI

"Often I have witnessed people encountering new information, apparently accepting it, and then carefully explaining why they are going to do exactly the same thing they planned to do previously, but with a different justification. The point of thinking is to shape our plans; if you're going to keep the same plans, why bother?" — Eliezer Yudkowsky

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