Thema: Zukunft

Der Wandel der wissenschaftlichen Methode

Lukas Biewald, ehemals NLP-Forscher im Stanford AI Lab:

My job title is “Scientist”, but I never use the scientific method, at least as I remember it from 6th grade earth science where you make a hypothesis and test it with an experiment. Instead I mostly mine through data and look for patterns.

In der experimentellen Neurobiologie sieht es genauso aus, auch wenn wissenschaftliche Veröffentlichungen hier noch immer nach dem Muster “Wir hatten folgende Hypothese, haben Sie überprüft und sie hat sich als wahr herausgestellt” gestrickt sind. Mit dem tatsächlichen Alltag eines Wissenschaftlers hat das wenig gemein.

Dass die herkömmliche wissenschaftliche Methode brauchbar ist, wenn man die Wahrheit dessen überprüfen will, was man zu wissen glaubt, aber dass sie einem nicht sagen kann, wohin man gehen soll, wusste schon Robert M. Pirsig. Das ist nicht neu.

Neu ist, dass das Aufstellen von Hypothesen mehr und mehr automatisisert wird.

Beschleunigte Zeiten

Wir wissen wenig über unsere Welt, und das, was wir wissen, ist so seltsam, dass wir es meistens ignorieren. Es gibt keine objektive Zeit; für manche Beobachter geschieht A vor B, für andere B vor A. Wir können nicht feststellen, ob wir in einer Simulation leben. Wir wissen nicht, ob bewusste Beobachter sterben können, und welche Rolle sie in der Physik überhaupt spielen. Wir können nur raten, warum in diesem Universum außer uns niemand zu sehen ist.

Wir wissen wenig über die Zukunft unserer Welt, und das, was uns die Vergangenheit verrät, ist so schwindelerregend, dass wir lieber Konstanz prognostizieren. Ich bin 21 Jahre alt — als ich geboren wurde, gab es kein World Wide Web. Den Großteil meiner Schulzeit über gab es dieses eine Projekt nicht, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, jedem Menschen kostenlosen Zugang zum Wissen der Menschheit zu bieten. Als der Vater meiner Freundin geboren wurde, hatte Alan Turing noch nicht beschrieben, was Algorithmen sind. Vor nicht einmal einem Menschenleben gab es keine Computer. Ein halbes Menschenleben weiter und es gab keine Elektrizitätsversorgung. Zwei Menschenleben zuvor keine Dampfmaschinen. Drei Menschenleben weiter und wir sind im Mittelalter.

Eine Generation vor uns brauchte es tagelanges Recherchieren in Bibliotheken, um herauszufinden, ob die Menschheit die Antwort auf eine Frage hat. Heute genügen 10 Sekunden, um die Antwort auf fast jede Frage zu finden, die die Menschheit je beantwortet hat. Ein oder zwei Generationen nach uns genügen 10 Sekunden, um die Antwort auf fast jede Frage zu finden, die je beantwortet werden kann.

Wir verändern alles und merken es nicht. Blind vorwärts ging lange gut.

Darum.

Ich schaue in den sternenschwarzen Himmel und sehne mich nach mehr. Mit dem Nachtwind ein Hauch des Möglichen, vibrierendes Leben statt Leere. Jahrmillionen statt ein Jahrhundert. Nebenan schreit ein Kind. Wir werden geboren, blinzeln, heben den Kopf und noch bevor uns klar wird, was wir da gesehen haben, ist es vorbei. Manchmal Spuren einer Ahnung von dem, was hätte sein können. Es hat wieder nicht gereicht.

Kollektiver Wahnsinn. Sollen in 200 Jahren noch immer Menschen gegen ihren Willen sterben? 10,000 Generationen haben wir für immer verloren. Hunderttausend Millionen mal der Geschmack von Leben, Augenblicke lang Licht, dann nichts. Hunderttausend Millionen mal: Ich liebe dich. Der Abgrund in Sichtweite, stetig näher kommend. “Für immer” sind 50 Jahre.

Verdammt, tut endlich was.

Eure Apathie macht mir Angst. Im 16. Jahrhundert geboren zu werden und zu realisieren, dass keine Hoffnung auf mehr besteht, keine Hoffnung darauf, die Daseinsgrenzen zu verschieben, wäre Grund zur Verzweiflung. Wir leben im 21. Jahrhundert. Morgendämmerung berührt den Horizont der Menschheitsgeschichte und ihr haltet euch die Augen zu und begeht Selbstmord.

Hier stehen wir, mit unseren Eitelkeiten und Dummheiten, mit unserer Sehnsucht und Liebe, und wir ahnen. Frühstücken, ein paar Dinge erledigen, schnell, Schlagzeilen, Schlaf, weiter. Hauptsache weiter. Die, die noch nicht betäubt sind, ahnen manchmal, dass es so viel anders sein könnte. Dass die Momente der Klarheit, des Wunsches nach Ewigkeit, nicht Minuten später Vergangenheit sein müssten.

Aber auch das wird vorbei gehen, wenn wir es nur fest genug ignorieren.

Allgemeine künstliche Intelligenz

Das Gebiet der künstlichen Intelligenz ist bislang nicht weit über Schachcomputer und Suchmaschinen hinausgekommen. Es gibt Anzeichen dafür, dass wir in diesem Jahrhundert die Schwelle an Verständnis und verfügbarer Technik überschreiten werden, die es uns ermöglicht, das Phänomen Intelligenz technologisch nachzubilden. Ist allgemeine künstliche Intelligenz möglich? Wenn ja, auch wünschenswert? Weiterlesen »

Über Googles Verhältnis zu künstlicher Intelligenz

“We are scanning those books to be read by an AI”. So lauteten die Worte seiner Gastgeber, schreibt der Historiker George Dyson über seinen Besuch des Google-Hauptquartiers. Eigentlich sollte uns das nicht überraschen. Was künstliche Intelligenz angeht treffen sich Möglichkeiten und Motivation nirgendwo so direkt wie bei Google. Weiterlesen »

Denkwürdiges IV

“It seems quite natural that at every point we pay most attention to the parameters that are just about to peak, as they represent the hottest current trends. When we look back in the excitement of the moment, the whole history of the world looks like a preparation to the explosion of this particular parameter. And we completely forget that yesterday we were looking at something else with the same excitement …” — Alexander Chislenko

Die Verbreitung von Ideen

Seit wann wird im Internet die Idee einer künstlichen Intelligenz diskutiert? Wie hat sich das Interesse an neuronalen Netzen entwickelt? Und wann kam eigentlich der Begriff Singularität auf? Eine einfache Möglichkeit solche Fragen zu klären besteht darin, die Usenet-Diskussionen der letzten 25 Jahre nach diesen Themen zu durchsuchen und die Ergebnisse grafisch darzustellen. Weiterlesen »

Die Zukunft der Intelligenz

In dem Kapitel “The Future of Intelligence” aus dem Buch “On Intelligence” nimmt Jeff Hawkins Stellung zu Fragen wie der nach der Möglichkeit oder Unmöglichkeit des Baus von intelligenten Maschinen. Er erörtert, ob dies aus ethischer Sicht überhaupt erstrebenswert ist und in welchen Gebieten künstliche Intelligenz möglicherweise eingesetzt wird, sowohl in naher Zukunft als auch auf lange Sicht. Weiterlesen »

Denkwürdiges III

“Vielleicht sind wir die erste Generation, der dämmert, dass Tod nicht sein müsste und dass damit das einmalige Potential eines Menschen nicht vor seiner Entfaltung erlöschen muss. Wenn, ja wenn nicht der Mahlstrom der Mittelmäßigkeit seit je jeden Versuch aus dem Gefängnis der Konsenshypnose auszubrechen mit sagen wir Unverständnis in allen seinen kreativen Spielarten belohnen würde.” — Siggi Becker

Die Zukunft der Hirnforschung

Wie weit wird die Hirnforschung in 10 Jahren fortgeschritten sein? Über chemische Details wie die Arbeitsweise von Botenstoffen ist heute schon einiges bekannt, und auch die Zuordnung bestimmter Aufgaben zu bestimmten Gebieten der Großhirnrinde kann Fortschritte aufweisen. Doch wie sieht es mit Erklärungen für die Natur des Bewusstseins aus? Und welche praktischen Auswirkungen hat die Neurowissenschaft? Weiterlesen »

« Vorherige Seite